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/ 11.06.2013
Clemens Schwaiger

Kategorische und andere Imperative. Zur Entwicklung von Kants praktischer Philosophie bis 1785

Stuttgart-Bad Cannstatt: frommann-holzboog 1999 (Forschungen und Materialien zur deutschen Aufklärung, Abteilung II: Monographien 14); 252 S.; Ln., 88,- DM; ISBN 3-7728-1971-0
Phil. Habilitationsschrift Trier; Gutachter: N. Hinske. - Die Veröffentlichung bislang unzugänglicher Vorlesungsnachschriften im vierten Abschnitt der Akademie-Ausgabe und die EDV-gestützte terminologische Untersuchung der Kantischen Sprachentwicklung ermöglichen es dem Autor, ein Dogma in der Kantrezeption zu erschüttern. Während nach bereits in den sechziger Jahren angestellten, bis heute nahezu einmütig akzeptierten Studien davon ausgegangen wurde, daß die Kantische Konzeption der Moralphilosophie bereits 1765 festgestanden habe und lediglich äußerer Umstände halber erst zwei Jahrzehnte später in der Grundlegung (1785) veröffentlicht wurde, kann Schwaiger zeigen, daß der berühmte kategorische Imperativ eine längere gedankliche Vorgeschichte hat. Im ersten Abschnitt der Arbeit (29-95) unterstreicht Schwaiger die bislang von der Forschung unterschätzte Bedeutung Baumgartens für die Kantische Moralphilosophie und zerstört damit die weithin akzeptierte Legende, Kant habe den Ausgang seiner moralischen Erwägungen vorwiegend an Wolff genommen. Im Anschluß an die Baumgartensche Terminologie entwickele Kant die Entgegensetzung von konditionaler und kategorischer Verbindlichkeit, die er in einer vielfach in ihrer Bedeutung unterschätzten und daher vernachlässigten Passage der Grundlegung in die Trias von Imperativen der Geschicklichkeit, der Klugheit und der Sittlichkeit ausdifferenziert habe. Im zweiten Teil (96-215) zeichnet der Autor die "Karrieren" Kantischer Schlüsseltermini auf der Basis des neu erschlossenen Materials nach und fördert hinter der nur scheinbar lapidaren Einteilung der Imperative eine Handlungstheorie zutage, die dem Vorwurf, Kant habe im Gegensatz zu Aristoteles weder einen operablen Klugheits-, noch einen sinnvollen Handlungsbegriff entwickelt, den Boden entziehen.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.33 Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Clemens Schwaiger: Kategorische und andere Imperative. Stuttgart-Bad Cannstatt: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10741-kategorische-und-andere-imperative_12700, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12700 Rezension drucken
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