/ 20.06.2013
Heinz Harbach
Konstruktivismus und Realismus in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Münster: Lit 2004 (Soziologie: Forschung und Wissenschaft 11); 172 S.; brosch., 14,90 €; ISBN 3-8258-8003-6Anders als der Titel vermuten lässt, legt Harbach mit diesem schmalen Band keine Einführung in die erkenntnistheoretische Debatte zwischen Realismus und Konstruktivismus vor. Das laut Buchinformation „‚redigierte’ Lesebuch“ ist vielmehr eine Abrechnung mit dem Konstruktivismus, der als relativistische und ideologisch aufgeladene Denkrichtung abgelehnt wird. Gleich zu Beginn stellt Harbach klar, dass für ihn die Unterscheidung zwischen gemäßigtem und radikalem Konstruktivismus nicht haltbar ist, „da jede Spielart von Konstruktivismus sehr schnell in Dilemmata führt, die nur durch ‚Radikalisierung’ zu umgehen sind – zumindest vorläufig“ (4). Neben stark parodistischen Abschnitten, in denen die esoterischen und verstiegenen Züge mancher konstruktivistischer Debatten betont werden, und teils seitenlangen Zitaten bietet das „Lesebuch“ einen weit ausholenden Rundumschlag zu biologischen, psychologischen und soziologischen Theorien, die der Autor dem Konstruktivismus zuschlägt. Die vorgestellten Ansätze werden mit negativen Einschätzungen aus der Literatur und Kommentaren des Autors versehen, wobei die vorgebrachten Argumente leider kaum vertieft werden und meist thetisch bleiben. Nur selten wird vom externen Standpunkt zu immanenter Kritik übergegangen, etwa wenn auf die Problematik der Beobachterrolle in der Systemtheorie Niklas Luhmanns hingewiesen wird. Besonders hebt Harbach das Dilemma hervor, dass Konstruktivisten einerseits die Möglichkeit von empirisch begründetem „Wissen“ ausschließen, sich aber andererseits auf empirische Theorien wie die Neurophysiologie berufen. Am Ende dieses nicht leicht zugänglichen Buches ist der Autor der Meinung, nun zur Genüge dargelegt zu haben, warum er sich nicht der konstruktivistischen Strömung angeschlossen hat, die er eher als revolutionäre Bewegung in der Wissenschaft denn als einen anschlussfähigen Forschungsansatz einschätzt.
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 5.2
Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: Heinz Harbach: Konstruktivismus und Realismus in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften Münster: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25167-konstruktivismus-und-realismus-in-den-sozial--und-verhaltenswissenschaften_29138, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29138
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M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
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