/ 20.06.2013
Martin Rümmele
Kranke Geschäfte mit unserer Gesundheit. Symptome, Diagnosen und Nebenwirkungen der Gesundheitsreformen
St. Pölten/Wien/Linz: NP-Buchverlag 2005; 222 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-85326-370-4Die Diagnose, dass die Gesundheitssysteme öffentlich nicht mehr zu finanzieren seien und mehr Wettbewerb das beste Heilmittel sei, „ist schlicht falsch“ (139), schreibt der Journalist Rümmele. Er stellt am Beispiel Österreichs, aber auch der Bundesrepublik sowie anderer europäischer Staaten und der USA den gegenwärtigen Zustand der staatlichen, meist durch private Versicherer ergänzten Gesundheitssysteme dar. Gezeigt wird, wie mittels Fehlinterpretationen die Gesundheitsversorgung zugunsten des Profits einiger Konzerne in die Schieflage gerät. Rümmele ist nicht der Ansicht, dass eine öffentliche Gesundheitsvorsorge per se zu teuer sein muss – allerdings müssten sozialverträgliche, vom Gesamteinkommen des Einzelnen abhängende Beiträge erhoben werden. Überdies sei der Gesundheitssektor schon aufgrund der hohen Zahl an Arbeitsplätzen, die dort angeboten würden, ein wichtiger Wirtschaftsbereich, der nicht kaputt gespart werden dürfe. Die Kostensteigerungen vergangener Jahre und Jahrzehnte erklärt der Autor nicht nur mit Ineffizienz oder zu hohen Verwaltungs- oder Personalkosten. Vielmehr habe der medizinische Fortschritt den Menschen in den westlichen Industrienationen ein längeres Leben beschert – wer aber länger lebt, erkrankt insgesamt häufiger. Rümmele sieht es als inakzeptabel an, dass dieser Kostensteigerung begegnet wird, indem immer mehr Teile der Gesundheitsversorgung privatwirtschaftlich ausgegliedert werden. Der Bürger/Patient müsse damit doppelt für seine Versorgung zahlen, während die privaten Unternehmen keinesfalls günstiger arbeiteten – und wenn, dann nur, weil sie sich die profitablen „Rosinen“ aus dem „Gesundheitskuchen“ herauspickten. Insgesamt zeigt Rümmele mit guten Argumenten, dass über Privatisierungen und Leistungskürzungen kein gerechtes und effizientes Gesundheitswesen zu etablieren ist und plädiert für eine als Aufgabe der ganzen Gesellschaft begriffene Gesundheitsversorgung, in der Krankheit nicht in die Armut führt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.263 | 2.4 | 2.61 | 2.343 | 2.64 | 2.5
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Martin Rümmele: Kranke Geschäfte mit unserer Gesundheit. St. Pölten/Wien/Linz: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23656-kranke-geschaefte-mit-unserer-gesundheit_27167, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 27167
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA