/ 18.06.2013
Sabine Collmer (Hrsg.)
Krieg, Konflikt und Gesellschaft. Aktuelle interdisziplinäre Perspektiven
Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2003 (Studien zur Konflikt- und Friedensforschung 2); 237 S.; 78,- €; ISBN 3-8300-0810-4Als Folge der kriegerische Konflikte im letzten Jahrzehnt sei „ein beträchtlicher Wandel der Formen kollektiver Gewaltanwendung festzustellen" (9), schreibt die Herausgeberin. Dies gelte vor allem hinsichtlich der Entstaatlichung des Krieges. Der Staat stehe nicht mehr im Zentrum des Kriegsgeschehens, sondern sei lediglich ein Akteur unter vielen. In dem Sammelband werden die Auswirkungen dieser Entwicklung auf das normalerweise staatszentrierte Verständnis internationaler Sicherheit aus historischer, soziologischer, ethnologischer und psychologischer Sicht untersucht. Die eher politikwissenschaftliche Analyse dominiert den ersten Teil, in dem der Wandel des internationalen Sicherheitsgefüges im Zentrum steht. Im zweiten Teil wird der Blick auf die konkrete Akteurs- und Handlungsebene gerichtet, während reguläre Militäreinheiten und ihre (neue) Rolle in Konflikten das Thema des abschließenden Teils sind. Besonders hervorzuheben ist dabei der Beitrag von Paul Klein zum bisher wenig erforschten Phänomen von Übergriffen auf Unschuldige durch Soldaten. Der Band bietet eine vielfältige und lehrreiche Zusammenstellung, die jedoch leider den im Titel angekündigten „gesellschaftlichen" Aspekt weitgehend außer Acht lässt.
Aus dem Inhalt:
Sabine Collmer:
Einleitung: Krieg, Konflikt und Gesellschaft: ein (leider) hoch aktuelles Thema (9-16)
1. Transformation des Systems internationaler Sicherheit
Franz Kernic:
Konflikte in der Weltgesellschaft: Fragen globaler Sicherheit im Lichte der Globalisierung und gesellschaftlichen Transformationsprozesse der Gegenwart (19-40)
Olaf Theiler:
Alte Erfahrungen und neue Realitäten: NATO-Reform in Zeiten des Umbruchs (41-63)
Christian Glatzl:
Europäische Integration und Sicherheit: Vom Global Payer zum Global Player? (65-86)
2. Transformation von Krieg, Konflikt und organisierter Gewalt
Sabine Collmer:
New War? Vom Staatenkrieg zu den irregulären Kriegen des 21. Jahrhunderts (89-112)
Gerhard Kümmel:
Der Selbstmordattentäter: Annäherungen an eine Kämpfer-Figur (113-130)
Georg-Maria Meyer:
Soldaten, Söldner & Co - zur Diffusion des Militärischen (131-155)
3. Transformation des Militärs und militärischer Aufgaben
Karl W. Haltiner:
Erfordern neue Militäraufgaben neue Militärstrukturen? - Organisationssoziologische Betrachtungen zur Verpolizeilichung des Militärs (159-186)
Paul Klein:
Zur Anwendung illegitimer Gewalt durch Soldaten im Einsatz (187-207)
Ulrike Beckmann:
Aspekte psychologischer Belastungen von Soldaten im Alltag und im besonderen Auslandseinsatz (209-233)
Florian Peter Kühn (KÜ)
Dr., M. P. S., wiss. Mitarbeiter, Institut für Internationale Politik, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 4.2 | 4.41 | 2.25 | 3.6 | 4.3
Empfohlene Zitierweise: Florian Peter Kühn, Rezension zu: Sabine Collmer (Hrsg.): Krieg, Konflikt und Gesellschaft. Hamburg: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20160-krieg-konflikt-und-gesellschaft_23485, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23485
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Dr., M. P. S., wiss. Mitarbeiter, Institut für Internationale Politik, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
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