Skip to main content
/ 22.06.2013
Christoph Bieber / Benjamin Drechsel / Anne-Katrin Lang (Hrsg.)

Kultur im Konflikt. Claus Leggewie revisited

Bielefeld: transcript Verlag 2010 (Edition Kulturwissenschaft 4); 465 S.; 25,80 €; ISBN 978-3-8376-1450-3
Mit einigen Ausführungen umreißt Dariuš Zifonun, wie Claus Leggewie seinen Begriff von Kultur explizieren und sich seinen Zugang zu den Kulturwissenschaften vorstellen könnte – der mit diesem Band geehrte Politikwissenschaftler, Professor in Gießen und seit 2007 Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, hat ein solch klärenden Essay (bisher) nicht selbst geschrieben. Zifonun sieht dessen Kulturbegriff im Anschluss an Max Weber und Clifford Geertz vor allem im Kontext sozialer Gebilde verankert – die kommunikative Austragung von Konflikten bringe die Menschen zusammen. Charakteristisch für die moderne Kultur aber sei, „dass sich die sozialen Rollen, die sie für jeden Einzelnen bereithält, widersprechen“. Zugleich existierten Mechanismen, „die es uns erlauben, die konkurrierenden normativen Verhaltenserwartungen zu managen“ (22 f.). Dies lasse sich an den Rollen des Kulturwissenschaftlers und des politischen Intellektuellen exemplifizieren, schreibt Zifonun mit Blick auf den Geehrten weiter. Dessen unterschiedliche Rollen werden denn auch in diesem Band deutlich, der keine traditionelle Festschrift im Sinne einer Sammlung von Einzeltexten darstellt. Die Autoren haben vielmehr wissenschaftliche, politische und journalistische Arbeiten Leggewies ausgewählt, die in seinem Werk eine herausragende Stellung einnehmen und „eine gewisse Prominenz in den jeweiligen Diskursen erreicht haben“ (11). Diese werden von Autoren, die Leggewie verbunden sind, noch einmal neu kommentiert. Die Debatten über Erinnerungs- und Demokratiekulturen, über Multikultur, Generationenkonflikte und Wissenschaftskulturen werden so aktualisiert. Abschließend gewinnt Leggewie im Schlusskapitel „Einmischungskultur“ persönlich Kontur als Zeitdiagnostiker, der Journalist Wolfgang Stenke erzählt kurzweilig und anekdotisch von Hürden bei der Recherche und von dem Ineinandergreifen der Themen – abzulesen an den Linien, die sich von den ersten journalistischen Beiträgen bis zu den Arbeitsschwerpunkten des publizistisch versierten Sozialwissenschaftlers ziehen, vom Eurokommunismus der 70er-Jahre bis zur Globalisierung der Gegenwart.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 1.32.312.232.324.452.3432.352.645.2 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Christoph Bieber / Benjamin Drechsel / Anne-Katrin Lang (Hrsg.): Kultur im Konflikt. Bielefeld: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32800-kultur-im-konflikt_39172, veröffentlicht am 30.03.2011. Buch-Nr.: 39172 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA