/ 11.06.2013
Thomas Göller
Kulturverstehen. Grundprobleme einer epistemologischen Theorie der Kulturalität und kulturellen Erkenntnis
Würzburg: Königshausen & Neumann 2000; 535 S.; brosch., 98,- DM; ISBN 3-8260-1675-0Philosoph. Habilitationsschrift Karlsruhe; Gutachter: H. Lenk, G. Paul, K. Mishima. - Der Band ist die leicht überarbeitete und um das Kapitel II.1.4 ergänzte Fassung der Habilitationsschrift von 1998. Der Autor möchte seine Arbeit als grundlagentheoretischen Beitrag zur immer breiteren Diskussion über Interkulturalität verstanden wissen. Sein zentrales Anliegen ist es, "eine epistemologisch fundierte Antwort auf die Frage zu formulieren, ob und in welcher Weise es möglich sein kann, eine andere, fremde Kultur in ihrer Eigenheit zu verstehen" (13). Im ersten Teil stellt er dazu anhand ausgewählter Vertreter eine ganze Reihe "interkultureller Trends und Forschungsrichtungen" (16) vor, über die er jedoch schon hier in einer jeweils kritischen Würdigung aus der Perspektive der Theorie hinausgreift, zu der er mit diesem Band den Grundstein legen will. Im zweiten Teil unternimmt er dann - jenseits von sowohl kontextualistischem Partikularismus als auch kontexttranszendentem Universalismus - den Versuch, Kulturverstehen systematisch unter geltungstheoretischen Gesichtspunkten zu begründen, womit er nach eigener Aussage Neuland im interkulturellen Diskurs betritt.
Inhaltsübersicht: II. Probleme des Verstehens und Kulturverstehens: 1. Verstehen, Sinnverstehen und interkulturelles Verstehen: 1.1 Verstehen von Lebensobjektivationen - W. Dilthey; 1.2 Universale Reflexion auf Sinnverstehen - H.-G. Gadamer; 1.3 Interkulturelle Germanistik und Texthermeneutik; 1.4 "Interkulturelle Philosophie" - Zwei einflussreiche Etablierungsversuche der Gegenwart: F. M. Wimmer und R. A. Mall. 2. Fremdverstehen und fremdkulturelle Interpretation: 2.1 Fremdverstehen in phänomenologischer Sicht - A. Schütz; 2.2 Die Interpretation kultureller Systeme - C. Geertz. 3. Universalistische versus kontextualistische Verstehenspositionen: 3.1 Inkommensurabilität von Kulturen - P. Winch; 3.2 Neopragmatischer Kontextualismus - R. Rorty; 3.3 Sprachpragmatischer Universalismus - J. Habermas. 4. Probleme der Interpretation und sprachlichen Darstellung: 4.1 Radikale Interpretation - D. Davidson; 4.2 Neostrukturalistische Kritik an der Zeichenidentität - J. Derrida; 4.3 Interpretationismus. III. Grundzüge einer epistemologischen Theorie des Kulturverstehens: 1. Kultur und Kulturalität: 1.1. Grundlegende Aspekte; 1.2 Grundmomente der Kulturalität und ihre Dimensionen; 1.3 Zur Medialität der Kultur; 1.4 Kulturelle Medien und ihre Eigenschaften; 1.5 Sprache als universales kulturelles Medium. 2. Zum epistemologischen Begriff des Kulturverstehens: 2.1 Kulturverstehen. Vorläufige Begriffsbestimmung; 2.2 Das verstehenstheoretische Grundverhältnis und die Grundmomente des Verstehens von Kultur; 2.3 Zur Geltungsproblematik des Verstehens, 2.4 Der Geltungssinn des Verstehens. 3. Zur Methodologie des Kulturverstehens: 3.1 Kulturverstehen als Methode; 3.2 Kulturverstehen und Kulturwissenschaft.
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 5.42
Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Thomas Göller: Kulturverstehen. Würzburg: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10422-kulturverstehen_12317, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12317
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M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
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