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/ 21.06.2013
Sebastian Knell / Marcel Weber (Hrsg.)

Länger leben? Philosophische und biowissenschaftliche Perspektiven

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2009 (suhrkamp taschenbuch wissen 1900); 290 S.; 12,- €; ISBN 978-3-518-29500-7
„Wofür also ist Altern gut? Die richtige Antwort muss traurigerweise lauten: Für nichts“ (29), meint David Gems, Reader am Institute of Healthy Aging am University College London. Aber würde eine gesteigerte Lebensdauer die individuelle Qualität des Lebens einer Person erhöhen und würde sie sich im Einklang mit den Interessen der Gesellschaft als Ganzer befinden? Bevor diese Frage in philosophischen Grundsatzreflexionen behandelt wird, haben im ersten Teil dieses überaus erhellenden Sammelbandes neben Gems weitere Autoren das Wort, die „maßgeblich“ (13) an der Erforschung der evolutionsbiologischen, biogerontologischen und nanotechnologischen Grundlagen einer Lebensverlängerung beteiligt sind. Außerdem werden medizinethische Aspekte behandelt. Das Anliegen der Herausgeber und Autoren ist, auch im deutschsprachigen Raum die Debatte über eine Entwicklung zu eröffnen, deren Fortschreiten möglicherweise gravierende Auswirkungen auf die Gesellschaft haben wird – etwa wenn nicht wie bisher drei oder vier, sondern acht oder zehn Generationen gleichzeitig leben. Im Mittelpunkt steht immer wieder die Frage der Gerechtigkeit – die Autoren gehen davon aus, dass sich über eine längere Zeit nur relativ vermögende Menschen Maßnahmen zur Lebensverlängerung würden leisten können. Da es sich um ein zusätzliches Gut handele, wie Héctor Wittwer vom Institut für Philosophie der HU Berlin schreibt, sei der Staat nicht verpflichtet, für alle Bürger einen hohen Aufwand zu bezahlen. Dessen Nutzen wird von den Autoren zudem insgesamt als zweifelhaft beschrieben – ein erfülltes Leben hänge nicht nur von der Anzahl der Lebensjahre ab. Das Fazit des australischen Ethikers Peter Singer lautet, dass die Menschen im Interesse der folgenden Generationen grundsätzlich von dem Streben nach einem längeren Leben Abstand nehmen sollten. Die Unsterblichkeit scheint übrigens erst recht keine Option zu sein – ein Unsterblicher würde statistisch 1.200 Jahre leben und dann bei einem Unfall oder durch Gewalt sterben. Das wäre keine schöne Perspektive.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.445.42 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Sebastian Knell / Marcel Weber (Hrsg.): Länger leben? Frankfurt a. M.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31115-laenger-leben_36995, veröffentlicht am 15.09.2009. Buch-Nr.: 36995 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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