/ 22.06.2013
Klaus Kinner (Hrsg.)
Linke zwischen den Orthodoxien. Von Havemann bis Dutschke
Berlin: Karl Dietz Verlag 2011 (Rosa-Luxemburg-Stiftung Texte 71); 219 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-320-02267-9Aufgrund der vielfältigen Reaktionen auf die zwei Bände zur Tagung „Die Linke. Erbe und Tradition“ (Buch-Nr. 38316 und 38317) hat sich Klaus Kinner entschlossen, die bisher noch nicht publizierten Konferenzbeiträge sowie ausgewählte Antworten auf die beiden 2010 erschienenen Bücher in einem weiteren Band herauszugeben. In den Blick genommen werden zwei Themenfelder. Zum einen beschäftigen sich die Autoren mit bisher nur wenig beachteten linken Traditionen in der Bundesrepublik und der DDR. Für Letztere seien hier exemplarisch die zwei Artikel von Andreas Heyer zu nennen, der die beiden Sozialismuskonzeptionen der DDR-Dissidenten Rudolf Bahro und Robert Havemann anhand von ausgewählten Werken analysiert und sie in die übergeordnete Utopieforschung einbettet – es handelt sich dabei um einen bisher nur historisch aufgearbeiteten, aber nicht politikwissenschaftlich analysierten Bereich, auf dessen Leerstelle Heyer mit seinen überzeugenden Beiträgen aufmerksam macht. Für die westdeutsche Seite ist unter anderem auf den Artikel von Björn Allmendinger hinzuweisen. Er stellt den historischen Kontext und das inhaltliche Anliegen der Außerparlamentarischen Opposition und die daraus hervorgehenden Rätedemokratiekonzeptionen vor. Obgleich die unter anderem von Rudi Dutschke, Bernd Rabehl und Christian Semler entwickelten Selbstverwaltungsmodelle die Ausnahme bleiben, spiegeln sie doch einen Teil des politischen Klimas in Westdeutschland und tragen deshalb zum historischen Verständnis der 60er- und 70er-Jahre bei. Mit dem zweiten Themenfeld werden reale Entwicklungen in (Ost- und West-)Deutschland und deren Bedeutung für die Linke umrissen. Die hier einzuordnenden Artikel verbleiben zum Teil auf der deskriptiv-rekonstruierenden Ebene, die Autoren nehmen konkrete Problemfelder in den Blick; Gisela Notz beispielsweise stellt die Argumente und Standpunkte der verschiedenen Gesprächspartner im Streit über den Paragraphen 218 gegenüber.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.31 | 2.313 | 2.314 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Klaus Kinner (Hrsg.): Linke zwischen den Orthodoxien. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34319-linke-zwischen-den-orthodoxien_41188, veröffentlicht am 01.12.2011.
Buch-Nr.: 41188
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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