/ 21.06.2013
David Strecker
Logik der Macht. Zum Ort der Kritik zwischen Theorie und Praxis
Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2012; 332 S.; 32,90 €; ISBN 978-3-938808-64-1Diss. FU Berlin; Begutachtung: B. Ladwig, H. Buchstein. – „Macht“ ist zugleich einer der zentralsten und der umstrittensten Begriffe der Sozialwissenschaften. Die Umstrittenheit, so argumentiert Strecker sinngemäß, resultiert aber nicht allein aus der Tatsache, dass unterschiedliche theoretische Ansätze sich dem Begriff aus verschiedenen ontologischen Perspektiven und mit unterschiedlichem Erkenntnisinteresse nähern. Vielmehr können Machtbeziehungen gar nicht im ausschließlichen Hoheitsbereich der Sozialwissenschaften identifiziert werden, „sondern bleiben abhängig von der Sicht der Betroffenen“ (10). Die „Logik der Macht“ (Titel) lässt sich also nur mithilfe eines, wie Strecker es nennt, perspektivendualistischen Ansatzes erfassen, der die sozialwissenschaftliche Beobachter‑ und die Teilnehmer‑ bzw. Betroffenenperspektive verbindet. Einen solchen Ansatz will der Autor entwickeln. Zu diesem Zweck werden im ersten Hauptteil zunächst die einflussreichsten Machttheorien seit dem Zweiten Weltkrieg diskutiert, außerdem wird der Doppelcharakter der Macht als immer zugleich repressiv und konstitutiv herausgearbeitet. Strecker argumentiert, dass im Verlauf dieser Debatte allerdings die Einsicht in den zentralen Verweisungszusammenhang zwischen Macht und Legitimität zunehmend verloren gegangen sei. Die Ideologiekritik, die der Autor im zweiten Hauptteil diskutiert, habe sich zwar um eine Lösung dieses Problems bemüht, die Mängel der orthodoxen Machttheorie aber nicht vollkommen beheben können und sei zudem in der Tradition repressiver Macht stecken geblieben. Einen Ausweg, so Strecker, biete letztlich erst Habermas' Konzept der deliberativen Demokratie, das die Vermittlung zwischen Teilnehmer‑ und Beobachterperspektive erfolgreich umsetzen könne (dritter Hauptteil). Allerdings plädiert der Autor in der Schlussbetrachtung dafür, Habermas' Konzept um eine Reflexivität zweiter Ordnung zu ergänzen, die nicht nur die Gründe individuellen Handelns umfasst, sondern darüber hinaus nach den Ursachen fragt, „die bewirken, dass Subjekte sich diese Gründe zu eigen machen“ (299).
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.42
Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: David Strecker: Logik der Macht. Weilerswist: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30442-logik-der-macht_36144, veröffentlicht am 21.02.2013.
Buch-Nr.: 36144
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Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
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