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/ 21.06.2013
Panajotis Kondylis

Machiavelli. Mit einer Vorrede von Günter Maschke

Berlin: Akademie Verlag 2007; XX, 181 S.; 39,80 €; ISBN 978-3-05-004046-2
Aus der Perspektive eines „nachgerade planetarisch distanzierten Beobachters“ (XIII) wendet sich Kondylis dem politischen Denken Niccolò Machiavellis zu. Das von Gaby Wurster ins Deutsche übersetzte „Gesellenstück“ (XVII), das Kondylis 1971 seiner einbändigen griechischen Ausgabe der Werke Machiavellis als Einleitung voranstellte, macht – so Maschke in seiner Vorrede – „die Bahn frei für eine rein phänomenologische Betrachtung der Politik und des Politischen“ (XVII). Auch wenn der Autor schreibt, dass für Machiavelli „Tapferkeit und politische Moral wichtiger seien als Geld“ (123), und man daher annehmen könnte, Kondylis habe Isaiah Berlins 1953 gehaltenen Vortrag zur Originalität Machiavellis zur Kenntnis genommen, so folgt die übliche und so oft zitierte Rede von Machiavellis „Trennung von Politik und Moral“ (34 ff.). Auch in diesem Band wird der Florentiner durchgängig vor dem Hintergrund dieses Topos interpretiert: „Tatsache ist, daß in Machiavellis Werk die Welt der Moral und die Welt der Politik getrennt sind.“ (28) In Kondylis’ strikt etatistischer Sichtweise wird der republikanische Machiavelli mit seiner weltzugewandten Ethik vollkommen außer Acht gelassen. Neben dieser staatszentrierten Lesart wird Machiavelli als Impulsgeber für die neuzeitliche Soziologie in den Blick genommen. Demnach sei es für ihn wichtig gewesen, die „Bedeutung der Religion […] auf ihre Funktion als ‚Opium für das [!] Volk’, als nützliches Werkzeug der herrschenden Klasse“ (122) zu untersuchen. Und auch in einer weiteren Hinsicht erweise sich der Renaissancedenker als Vordenker moderner Soziologie: „Machiavelli ist der erste, der vor dem Ende des 18. Jahrhunderts den Klassenkampf zum Gegenstand einer ernsthaften Betrachtung machte“ (124). Ob es dem Autor oder der Übersetzerin zuzuschreiben ist, dass von einer „transzendentalen Kategorie“ (7) gesprochen wird, wo sinnvollerweise allein eine transzendente Kategorie gemeint sein kann, ist nicht auszumachen.
Karl-Heinz Breier (KHB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie, Universität Vechta.
Rubrizierung: 5.32 Empfohlene Zitierweise: Karl-Heinz Breier, Rezension zu: Panajotis Kondylis: Machiavelli. Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28312-machiavelli_33334, veröffentlicht am 02.04.2008. Buch-Nr.: 33334 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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