/ 20.06.2013
Peter Mayer
Macht, Gerechtigkeit und internationale Kooperation. Eine regimeanalytische Untersuchung zur internationalen Rohstoffpolitik
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2006; 304 S.; brosch., 29,- €; ISBN 3-8329-1838-8Politikwiss. Diss. Tübingen; Gutachter: V. Rittberger. – Wie robust sind internationale Regime? Da Robustheit nur indirekt, über die Reaktion eines kooperativen Arrangements auf Schocks, festgestellt werden kann, skizziert der Autor zunächst eine Theorie exogener Schocks. Exogene Schocks begreift er als Vorgänge außerhalb eines Regimes, die bedrohlich für den Fortbestand der Kooperation sind. Das Ausmaß dieser Bedrohung versucht er unabhängig von der jeweiligen Reaktion eines Regimes messbar zu machen. Auf der Grundlage der Erwartung, dass die Art der Gewinnverteilung wesentlich für die Stabilität zwischenstaatlicher Kooperation ist, entwickelt Mayer anschließend zwei Hypothesen, eine rationalistische und eine konstruktivistische. Der rationalistischen „Machtkonsistenzhypothese“ zufolge sind internationale Regime umso robuster, je mehr die Verteilung ihrer Kooperationsgewinne an den Machtverhältnissen der beteiligten Staaten orientiert ist. Nach der konstruktivistischen „Gerechtigkeitshypothese“ ist nicht die Begünstigung der Mächtigen, sondern die gerechte Verteilung der Kooperationsgewinne entscheidend für die Fähigkeit eines Regimes, exogene Schocks zu verwinden. Diese Hypothesen werden an Fallbeispielen aus der internationalen Rohstoffpolitik, namentlich an Abkommen, die den Handel mit den Rohstoffen Zinn, Kautschuk, Zucker und Kaffee regulieren, getestet. Alle diese Rohstoffabkommen sind von einer Nord-Süd-Konstellation zwischen Exporteuren und Importeuren, und damit von einem klaren Machtgefälle geprägt. Mayer kommt zu dem Ergebnis, dass in diesen Fällen die machtgetreue Gewinnverteilung, und nicht distributive Gerechtigkeit, für robuste Kooperation sorgen konnte. Er warnt allerdings auch, die Aussagekraft seiner Hypothesentests nicht überzubewerten, und lässt hier einmal mehr große methodische Vorsicht walten. Die Stärke der Arbeit besteht denn auch weniger in ihren empirischen Ergebnissen, sondern in ihrer analytisch scharfen Theorieentwicklung und gut nachvollziehbaren Methodenreflexion.
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 4.43 | 4.1 | 4.3
Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: Peter Mayer: Macht, Gerechtigkeit und internationale Kooperation. Baden-Baden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25693-macht-gerechtigkeit-und-internationale-kooperation_29814, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29814
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M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
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