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/ 18.06.2013
Ed Stuhler

Margot Honecker. Eine Biografie

Wien: Ueberreuter 2003; 224 S.; Ln., 19,95 €; ISBN 3-8000-3871-4
Die Universitäten waren ihrer Ansicht nach „Gammelläden" (95), ihre Ehe habe spätestens seit Mitte der Sechzigerjahre „einer kameradschaftlichen Kampfgemeinschaft" (143) geglichen. Stuhler, der schon in der DDR als freier Autor arbeitete, belegt, wie sehr die gängigen Vorurteile über die ehemalige Bildungsministerin der DDR, Margot Honecker, zutreffen. Er zeigt aber auch, dass Honecker, bevor sie im Laufe ihrer langen Amtsjahre immer engstirniger wurde, ein durchaus kluger und scharfsinniger Mensch gewesen sein muss, selbst Wolf Biermann habe sie als „eine sehr sympathische Frau" (137) bezeichnet. Der Autor nennt die seiner Ansicht nach positiven Aspekte ihrer Bildungspolitik, beispielsweise die zehnjährige Schulausbildung für alle und den polytechnischen Unterricht, sowie die negativen, zu denen er vor allem die Staatsbürger- und die Wehrkunde zählt. Der Versuch, die Schule zur ideologischen Indoktrination zu nutzen, habe sich allerdings als Fehlschlag erwiesen, meint Stuhler. Die Kinder hätten so den Unterschied zwischen Realität und Anspruch geradezu vorgeführt bekommen, die Schule sei entgegen Honeckers Absicht damit zum „Totengräber der DDR" (182) geworden. Da Honecker nicht bereit gewesen ist, sich für diese Biografie interviewen zu lassen, ist der Autor vor allem hinsichtlich ihres Einflusses auf die Politik ihres Mannes leider auf Vermutungen angewiesen. Ganz offensichtlich sei ihr aber vor 1989 nicht klar gewesen, dass die DDR über ihre Verhältnisse gelebt hat.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3142.3 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Ed Stuhler: Margot Honecker. Wien: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18845-margot-honecker_21862, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21862 Rezension drucken
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