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/ 22.06.2013
Internationale Marx-Engels-Stiftung (Hrsg.)

Marx-Engels-Jahrbuch 2009

Berlin: Akademie Verlag 2010; 238 S.; 39,80 €; ISBN 978-3-05-004677-8
„Marxens Konzeptualisierungen und Beschreibungen von Akteuren“ lautet der Schwerpunkt in diesem Jahrbuch. Die Beiträge gehen auf eine Konferenz zurück, die Harald Bluhm im September 2009 an der Universität Halle-Wittenberg veranstaltete. Bluhm hebt hervor, dass mit dieser Themenauswahl die „Fixierung auf wenige Klassen“ verlassen und in den Mittelpunkt gerückt wurde, welche „Fremd- und Selbstbeschreibungen von Akteuren durch Marx“ (77) zu erkunden seien. Welchen innovativen Erkenntniswert dieser Ansatz bieten kann, wird beispielsweise in den Reflexionen über die „Charaktermaske“ (100) deutlich. Christoph Henning wägt ab, ob sich nach Marx’ Verständnis im Kapitalismus ein Individuum hinter der Maske verbirgt, es also nur die ihm vom System zugewiesene Rolle spielt, oder ob die Menschen im Kapitalismus nur Charaktermasken sind. Nach einem ideengeschichtlichen Rückgriff vor allem auf Schelling kommt Henning zu dem Ergebnis, dass Marx die zweite Möglichkeit vorgezogen und sich „für die zweite Natur“ (117) hinter der Charaktermaske interessiert habe. Es sei ihm darum gegangen, „der Macht der ‚Charaktermaske’ ein gestärktes und möglichst autonomes Selbst entgegensetzen zu können“. Diese Position sei philosophisch keineswegs unattraktiv, schreibt Henning. „Denn einer Forderung nach gleichen Chancen zu individueller Selbstverwirklichung auch jenseits gesellschaftlicher Rollenerwartungen [...] dürfte das liberale Denken, anders als gegenüber dem üblichen Egalitarismus, wenig entgegenzusetzen haben.“ (122) In weiteren Beiträgen untersuchen u. a. Alex Demirović, welche Rolle Marx den bürgerlichen Intellektuellen zuschrieb, und Axel Rüdiger, wie Marx sein eigenes Verständnis von Beruf und Inhalt der Politik anhand der politischen Profile von Lord Palmerston, Louis Bonaparte und Abraham Lincoln überprüfte. Insgesamt bietet auch dieses Jahrbuch wieder differenzierte Analysen mit denen sich zeigt, dass die Schriften von Marx und Engels immer noch ein ergiebiges Forschungsfeld sind.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.15.33 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Internationale Marx-Engels-Stiftung (Hrsg.): Marx-Engels-Jahrbuch 2009 Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32899-marx-engels-jahrbuch-2009_39295, veröffentlicht am 02.02.2011. Buch-Nr.: 39295 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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