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/ 11.06.2013
Howard Zinn

Marx in Soho. Dramolett für eine Stimme. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Heide Sommer

Hamburg: Europäische Verlagsanstalt 1999; 83 S.; geb., 24,80 DM; ISBN 3-434-50484-2
Der Autor, emeritierter Geschichtsprofessor und während der 60er- und 70er-Jahre in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung engagiert, legt mit dem fiktionalen, dramatischen Monolog eine der Form nach ungewöhnliche Meditation über die Aktualität des marxschen Denkens und insbesondere der marxschen Kritik an den "Grundübeln" der kapitalistischen Gesellschaftsverhältnisse vor. Ausgangspunkt ist die auf einen Abend befristete Rückkehr von Marx in die Welt der Lebenden, wobei er durch ein Missverständnis statt in den Londoner Stadtteil Soho in das gleichnamige Viertel New Yorks gerät. Der zwischen historisch-autobiographischer Reminiszenz (wofür der Autor vor allem die biographischen Darstellungen von und über Marx' Frau und Töchter ausgewertet hat) und auf aktuelle Zeiterscheinungen mit Zorn und Spott reagierender Philippika (hier montiert der Autor mehrfach längere Zitate aus den Schriften Karl Marx') wechselnde Monolog variiert im Wesentlichen zwei bekannte Motive: Erstens sei Marx von niemandem so gründlich missverstanden bzw. falsch ausgelegt worden wie von orthodoxen Marxisten und deren ebenso dogmatischen Gegnern, unter weitgehender Vernachlässigung der differenzierteren Thesen und Formulierungen im Originaltext; zweitens sei die andauernde politische, ökonomische und soziale Unordnung der Welt, als globale Verschärfung z. B. der Gegensätze zwischen Arm und Reich, Nord und Süd, Lohnarbeitern und multinationalen Unternehmenskomplexen, gerade im Moment der unangefochtenen Vormachtstellung des Kapitalismus im liberal-demokratischen Staat ein frappierender Beweis für die grundsätzliche Richtigkeit der marxschen Analysen. Dabei lässt es das "Dramolett" bewenden und unterscheidet sich somit kaum von ähnlich argumentierenden, jedoch viel kürzeren Feuilletonbeiträgen zur "Aktualität des marx/engelsschen Denkens" anlässlich des 150. Jahrestages der Veröffentlichung des "Kommunistischen Manifests" im Jahr 1998.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 5.33 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Howard Zinn: Marx in Soho. Hamburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11972-marx-in-soho_14276, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 14276 Rezension drucken
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