/ 20.06.2013
Bill Clinton
Mein Leben. Aus dem Englischen von Stefan Gebauer, unterstützt von Annemarie Pumpernig und Ulrike Zehetmayr
München: Ullstein Taschenbuchverlag 2005; 1.492 S.; akt. und erw. Ausg.; 12,95 €; ISBN 3-548-36791-7Knapp 1.500 Seiten Lebensbericht und -beichte sind natürlich etwas viel. Dank Clintons Selbstironie, über die er zweifellos verfügt, sind seine Memoiren aber eine erträgliche, streckenweise sogar unterhaltsame Lektüre. Interessant ist die gerade auf den ersten Seiten perfekte Inszenierung seiner Kindheit. Im Rückblick auf diese Zeit platziert er wichtige soziale Themen (Rassismus, Benachteiligung von Behinderten u. ä.) und verleiht seiner späteren Politik damit Authentizität. Ausführlich beschreibt er seinen Weg in die Politik und entwirft damit ein Idealbild des engagierten Bürgers und der amerikanischen Demokratie. Etwas ermüdend ist, dass er jeden Weggefährten, jeden Freund, jede Mitarbeiterin ausführlich würdigt. Kleine Brüche im Gesamtbild tauchen auf, wenn Clinton politische Entscheidungen referiert, die mit Blick auf Wählerstimmen und scheinbar ohne innere Überzeugung gefällt wurden. Dann wird deutlich, dass Politik (auch) ein Geschäft ist. Insgesamt kann Clinton von einer beeindruckenden Karriere berichten: Er war der jüngste Gouverneur, der jemals in den USA gewählt wurde. Nach einer Abwahl schaffte er ein beeindruckendes Comeback und wurde dann 1993 für acht Jahre zum Präsidenten der USA gewählt. Außenpolitisch erscheint er aus heutiger Sicht als ein realistischer Pragmatiker, der ohne Ideologie versuchte, die Probleme zu managen. Innenpolitisch gehören eine Absenkung der Arbeitslosenzahlen und eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung zu seiner erfolgreichen Bilanz. Das Scheitern des Versuchs, eine umfassende Krankenversicherung einzuführen, schreibt er der Kampagne der gegnerischen Republikaner zu, denen es nicht um politische Inhalte gegangen sei. Diese hätten um jeden Preis den Erfolg eines demokratischen Präsidenten verhindern wollen. Clinton zeigt sich in seinen Erinnerungen als fehlbarer Mensch, was ihn sympathisch macht. Vor allem aber positioniert er sich noch einmal als Repräsentant eines moderaten, fast linken Amerikas.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.1 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Bill Clinton: Mein Leben. München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25808-mein-leben_29964, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29964
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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