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/ 20.06.2013
Gertrud Brücher

Menschenmaterial. Zur Neubegründung von Menschenwürde aus systemtheoretischer Perspektive

Opladen: Verlag Barbara Budrich 2004 (Menschenbild II); 276 S.; kart., 26,- €; ISBN 3-938094-03-6
„Die vorliegende Abhandlung sucht einem neuen Denktypus auf die Spur zu kommen, einem Hyperkonstruktivismus, der sich auf dem Trümmerfeld implodierter subjektphilosophischer Welteinteilungsschemata erhebt" (19). Gründlicher als in ihrem zeitgleich erschienenen Buch „Postmoderner Terrorismus“ (siehe ebenfalls in diesem Heft und in dieser Rubrik) hebt Brücher auf eine Rekonstruktion der in ihren Augen gegenwärtigen epistemischen Malaise ab, in der die für die Moderne konstitutiven Differenzierungen relativiert und schließlich außer Kraft gesetzt werden. Deren Gefahren, die Brücher anhand zahlreicher begrifflicher Entdifferenzierungen analysiert, münden in ihren Augen in einem neuen Selbstverständnis des Menschen. Die postmoderne „Realisation des Entwerfens“ wird gegen die moderne „Realisierung des Entwurfs“ (22) gesetzt. Der postmoderne Mensch zielt in seinem nur mehr instrumentellen Streben nach Neuem auf die reine Potenzialität, die sich durch die Kategorien der Moderne (Bildung, Triebersatz etc.) nicht mehr begrenzen lässt. Als Erben der modernen Emanzipationsbewegungen droht uns nach Brücher so ein Paradigma, dessen Entgrenzungen scheinbar jede Legitimitätsgrenze per definitionem zersetzen. Für eine humanistische Antwort auf diese Diagnose argumentiert die Autorin in ihrem nicht leicht, aber klug geschriebenen Essay.
Stefan Militzer (SM)
Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
Rubrizierung: 5.424.42 Empfohlene Zitierweise: Stefan Militzer, Rezension zu: Gertrud Brücher: Menschenmaterial. Opladen: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23509-menschenmaterial_26990, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 26990 Rezension drucken
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