/ 21.06.2013
Katrin Radtke
Mobilisierung der Diaspora. Die moralische Ökonomie der Bürgerkriege in Sri Lanka und Eritrea
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2009 (Mikropolitik der Gewalt 2); 264 S.; kart., 32,90 €; ISBN 978-3-593-38899-1Für die Finanzierung von Bürgerkriegen spielt die Diaspora eine wachsende Bedeutung. Ihr wird ein steigender Einfluss auf das Kriegsgeschehen in den Herkunftsländern zugeschrieben. „Wie und unter welchen Bedingungen können nicht-staatliche bewaffnete Gruppen die Diaspora mobilisieren?“ (14) Unter dieser zentralen Fragestellung widmet sich die Autorin der inneren Dynamik der Beziehung zwischen bewaffneten nicht-staatlichen Bürgerkriegsakteuren und den Flüchtlingsgemeinschaften. Radkte legt ihrer Untersuchung das Konzept des transnationalen (oder transstaatlichen) Raumes zugrunde. Bei der Mobilisierung der Diaspora, lautet ihre Hypothese, komme es zu einer Verbindung von transstaatlicher Gemeinschaft und transstaatlicher Organisation. Danach stellt die Diaspora für die bewaffneten Gruppen eine wichtige Ressource dar, während sich in den Flüchtlingsgemeinschaften eine „auf Schuldgefühlen basierende [...] moralische Ökonomie [entwickelt], die durch ethnische Institutionen gefestigt wird und sich bis in das Herkunftsland erstreckt“ (15). Am Beispiel der Bürgerkriege von Eritrea (mit der Diaspora in Frankfurt am Main) und Sri Lanka (mit der tamilischen Diaspora in Toronto) werden die Strategien und Mechanismen der Mobilisierung und Transnationalisierung herausgearbeitet. Dabei zeigt sich, dass die bewaffneten Gruppen mit zunehmendem Institutionalisierungsgrad immer mehr Ressourcen – von Spenden über Steuern bis hin zu Schutzgeldern – erschließen und eine weitreichende Kontrolle der Diaspora erzielen konnten. Als wichtige Einflussfaktoren werden zudem die Gelegenheitsstrukturen des Aufnahme- und des Herkunftslandes sowie die Ausprägung der moralischen Ökonomie identifiziert. Aus den Ergebnissen der Fallstudien entwickelt Radtke ein Modell der transnationalen Mobilisierung finanzieller Ressourcen. Mit ihrer qualitativen Analyse dieses komplexen Beziehungsgeflechts kann die Autorin nicht nur wichtige Erkenntnisse zur Diskussion über die Rolle der Diaspora und über die Ökonomisierung von Kriegen beisteuern, sondern ihre Studie „verweist auf eine Gleichzeitigkeit von grundlegend verschiedenen politischen Ordnungsformen“ (236).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.25 | 2.67 | 2.68 | 4.1 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Katrin Radtke: Mobilisierung der Diaspora. Frankfurt a. M./New York: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31066-mobilisierung-der-diaspora_36936, veröffentlicht am 25.01.2010.
Buch-Nr.: 36936
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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