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/ 21.06.2013
Shmuel Feiner

Moses Mendelssohn. Ein jüdischer Denker in der Zeit der Aufklärung. Aus dem Hebräischen von Inge Yassur

Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2009; 222 S.; geb., 24,90 €; ISBN 978-3-525-35097-3
Leben und Werk Moses Mendelssohns sind eng verzahnt mit der Entwicklung des modernen Nationalstaates, insbesondere mit dem Aufstieg des Bürgertums. Das neue (Selbst-)Verständnis des Menschen als Citoyen, seine Emanzipation aus einem persönlichen Untertanenverhältnis zur autonomen und selbstbewussten Mitgestaltung des Gemeinwesens findet in der Haskala, der jüdischen Aufklärung, eine Konkretisierung. Feiner stellt in seiner essayistisch geschriebenen und kurzweilig zu lesenden Biografie erstmals einen Mendelssohn dar, der auch als Theoretiker der bürgerlichen Gesellschaft gelesen werden kann. Obwohl dessen Hauptwerk „Jerusalem“ (1783) zur wichtigsten Schrift der jüdischen Aufklärung und zum „Ausgangspunkt der jüdischen Diskussion über die Identität des jüdischen Kollektivs in der Moderne und den Bedingungen für sein Weiterbestehen“ (156) werden sollte, reflektiert Mendelssohn darin (und in seinen zahlreichen weiteren Schriften) nicht nur die Krise zwischen rabbinischen Autoritäten und Laien, sondern verhandelt eigentlich die grundsätzlichen, alle Menschen betreffenden Fragen der Moderne. Darauf macht auch Dan Diner im Vorwort aufmerksam und konzediert Feiner zurecht eine neue, riskante, aber letztlich für die Leserschaft sehr lohnende Perspektive auf Moses Mendelssohn.
Tamara Ehs (TE)
Dr. phil., Politikwissenschaftlerin am IWK Wien und Lehrbeauftragte an der Universität Salzburg (http://homepage.univie.ac.at/tamara.ehs/)
Rubrizierung: 5.33 Empfohlene Zitierweise: Tamara Ehs, Rezension zu: Shmuel Feiner: Moses Mendelssohn. Göttingen: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30869-moses-mendelssohn_36686, veröffentlicht am 05.08.2009. Buch-Nr.: 36686 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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