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/ 21.06.2013
José Brunner (Hrsg.)

Mütterliche Macht und väterliche Autorität. Elternbilder im deutschen Diskurs

Göttingen: Wallstein Verlag 2008 (Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte XXXVI [2008]); 395 S.; brosch., 42,- €; ISBN 978-3-8353-0244-0
Das gemeinsame Fundament der Beiträge ist das Bild der Familie als gesellschaftlicher Institution. Als eine solche Einheit ist auch die Familie den Einflüssen und Prozessen von Machtstrukturen und Herrschaftsverhältnissen unterworfen. Um diese analytisch zu erfassen, betrachten die Autoren die soziologischen, medialen und literarischen Konzeptionen der Rolle von Eltern im deutschen Diskurs über eine Zeitspanne vom Kaiserreich bis in die Gegenwart. Die Untersuchungen konzentrieren sich auf fünf Themenbereiche: die Biologisierung der Mutterschaft, Mütter und Väter als Täter und Opfer im Holocaust, absente Väter der Nachkriegszeit, Mutterinszenierungen und neue Konzepte von Mutter- und Vaterschaft – insbesondere letztere Bereiche betreffen aktuelle politische Fragen. So untersucht Miriam Dreysse die Darstellung der Mutter in der visuellen politischen Kommunikation in Deutschland und kommt zu dem Ergebnis, dass sich zwar anders als in den parteiübergreifend traditionellen Kampagnen des hessischen Kommunalwahlkampfes 2006 in der Kampagne zum Elterngeld ein leichter Wandel andeutet, konstatiert aber dennoch die „Unbeholfenheit“ der Darstellung im Verhältnis von Vater und Kind, die „exemplarisch zu sein scheint für den Umgang der Politik mit neuen Bildern von Elternschaft“ (276). In der politisch-soziologischen Deutung noch weitergehender sind Barbara Thiessen und Paula-Irene Villa. Sie diagnostizieren anhand der Debatten: „Der ‚deutsche Sonderweg’ in Bezug auf Mutterschaft scheint sich […] abzuschwächen“ und weisen darauf hin, dass „für Mütter in Deutschland die Grenzen von Individualisierung vor allem in den je schichtspezifischen Zugangsmöglichkeiten zu zentralen gesellschaftlichen Ressourcen wie Bildung, Wissen, Macht liegen“ (291). Dieser Aspekt, stellen die Autorinnen fest, verschwinde zunehmend aus den politischen und akademischen Diskursen zugunsten einer rhetorischen Privatisierung individueller Lebensentwürfe.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.352.312.36 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: José Brunner (Hrsg.): Mütterliche Macht und väterliche Autorität. Göttingen: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29265-muetterliche-macht-und-vaeterliche-autoritaet_34608, veröffentlicht am 05.08.2008. Buch-Nr.: 34608 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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