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/ 06.06.2013
Mariam Irene Tazi-Preve

Mutterschaft im Patriarchat. Mutter(feind)schaft in politischer Ordnung und feministischer Theorie - Kritik und Ausweg

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2004 (Beiträge zur Dissidenz 14); 349 S.; brosch., 56,50 €; ISBN 3-631-50358-X
Die moderne Gesellschaft ‑ so die zentrale These der Autorin ‑ negiere und verleugne auf ideologischer Ebene die Mutterschaft („Muttermord") und versuche faktisch zugleich die Reproduktion zu regulieren und zu kontrollieren. In frühen, matriarchal organisierten Gesellschaften sei dies jedoch nicht der Fall gewesen. In ihrer äußerst materialreichen Arbeit zeichnet die Autorin diesen historischen Prozess der gesellschaftlichen Verleugnung der Mutter und der Leiblichkeit von Frauen nach. Außerdem zeigt sie die veränderte Bewertung der Mutter in politischer Philosophie und Theorie, in der Psychoanalyse und der Ökonomie auf. Zudem setzt sie sich mit neueren theoretischen Ansätzen der Geschlechterforschung auseinander und diskutiert die Implikationen der Reproduktionstechnologien. Tazi‑Preve unterstellt eine naturhafte Gleichheit von Frauen überhaupt und damit verbunden die Existenz einer genuin weiblichen Kultur und gesellschaftlichen Ordnung, eines spezifisch weiblichen Denkens und Fühlens, das empirisch zumindest zweifelhaft ist. Zudem unterstellt sie die Existenz eines mehr oder weniger geschlossenen Patriarchats mit monolithischem Machtanspruch, dessen Herrschafts‑ und Kontrollbedürfnisse die zentrale Ursache der von ihr diagnostizierten Unterdrückung der Mutter darstelle. Diese Vermutung wird jedoch nicht weiter begründet.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.272.45.422.36 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Mariam Irene Tazi-Preve: Mutterschaft im Patriarchat. Frankfurt a. M. u. a.: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8913-mutterschaft-im-patriarchat_25389, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 25389 Rezension drucken
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