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/ 22.06.2013
Arbeitsgruppe "Zentrum und Peripherie in soziologischen Differenzierungstheorien" (Hrsg.)

Mythos Mitte. Wirkmächtigkeit, Potenzial und Grenzen der Unterscheidung 'Zentrum/Peripherie'

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011; 288 S.; 39,95 €; ISBN 978-3-531-17971-1
Die Unterscheidung von Zentrum und Peripherie wird gleichermaßen in akademischen wie in alltagssprachlichen Kontexten verwendet. Als soziologisches Konzept dient sie zur Beschreibung von Differenzierungsprozessen moderner wie traditioneller Gesellschaften; jenseits wissenschaftlicher Standards verheißt die Rede von der Mitte der Gesellschaft durch Symbolisierung von Zugehörigkeiten Stabilität. Von dieser Polyvalenz der Zentrum/Peripherie-Unterscheidung ausgehend versteht die Arbeitsgruppe den Topos der gesellschaftlichen Mitte als modernen Mythos, der in ganz unterschiedlichen sozialen Bezügen als Ordnungsmuster fungiert. In wissenssoziologischer Perspektive wollen die Autoren in ihren Analysen einerseits die faktische Geltung dieses Mythos und andererseits dessen Vielgestaltigkeit belegen. Als leitende Hypothese gilt die Annahme, „dass die Unterscheidung von Zentrum und Peripherie in Gestalt von sechs zentralen Dimensionen ihre Wirkmächtigkeit entfaltet, nämlich territorial, ideell, am Individuum, juridisch-politisch, funktional und in Bezug auf soziale Inklusion bzw. Exklusion“ (12). Die Einzelanalysen folgen diesen Themenfeldern; als Material werden sowohl Artefakte, Texte und literarische Zeugnisse unterschiedlicher Kulturen als auch Konzepte soziologischer Theorien herangezogen. Aufs Ganze gesehen entsteht ein von Multiperspektivität und Theorienpluralismus geprägtes Bild des Mythos Mitte, bei dem ausdrücklich auf eine einheitliche Darstellungsform verzichtet wird. Diese Entscheidung spiegelt nicht nur ein bestimmtes Verständnis einer dezentrierten Moderne, in ihr drückt sich auch die Entstehung des Bandes selbst aus. Er ist das Ergebnis eines räumlich und institutionell verstreuten Autorenkollektivs, das aus einer soziologischen Arbeitsgruppe des 2. Geisteswissenschaftlichen Kollegs der Studienstiftung des deutschen Volkes hervorgegangen ist.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.422.224.422.61 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Arbeitsgruppe "Zentrum und Peripherie in soziologischen Differenzierungstheorien" (Hrsg.): Mythos Mitte. Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33998-mythos-mitte_40746, veröffentlicht am 12.01.2012. Buch-Nr.: 40746 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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