/ 11.06.2013
Horst Gies (Hrsg.)
Nation und Europa in der historisch-politischen Bildung
Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 1998 (Forum Historisches Lernen); 323 S.; 58,- DM; ISBN 3-87920-433-0Unter dem Motto, dass es keine politische Bildung gibt, die nicht zugleich auch historische Bildung ist, widmet sich die genannte Reihe solchen Themen und Fragen, die angesichts der aktuellen Entwicklungen in Europa einen neuartigen Geschichtsunterricht sowie neue Mittel und Wege historischen Lernens beanspruchen. Die Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich mit der Frage nach der nationalen beziehungsweise europäischen Identität Deutschlands, die seit der Neugründung des deutschen Nationalstaates 1990 einen neuen Umgang mit der eigenen Geschichte wie auch eine Umdefinition des deutschen Nationsverständnisses erfordert. Befürwortet wird ein Identitätskonzept, das die Wiederherstellung der historischen Kontinuität als mitteleuropäischer Nationalstaat einerseits und die Bewahrung der Kontinuität der Europapolitik sowie der Westbindung Deutschlands nach 1949 andererseits verbindet. Eine entscheidende Rolle bei der Neuformulierung des deutschen Nationalbewusstseins und der Herausbildung einer europäischen Identität wird der historisch-politischen Bildung zugesprochen. Wie die Geschichts-Lehrbücher das Verhältnis zwischen nationalem und europäischem Bewusstsein darstellen, wird die Grundzüge der nationalen Identität und die Zukunft der europäischen Integration bestimmen: Die Nation sollte in Deutschland nicht länger als "naturwüchsiges Gebilde, sondern vielmehr als Resultat politischer Auseinandersetzungen und kultureller Veränderungen" (75) definiert werden; Europa sollte nicht mehr bloß als Summe von Nationalgeschichten dargestellt werden, stattdessen sollten die Verschränkungen, die zwischen den europäischen Nationen, Kulturen, Völkern, Menschen und Traditionen bestehen, aufgespürt und gezeigt werden (78). Die Beiträge untersuchen, inwieweit diese Aufgabe im Geschichtsunterricht an deutschen Schulen (vor und nach 1945) und an denen der Nachbarländer wahrgenommen und bewältigt wird.
Inhalt: Einführung: Horst Gies: Nationalstaaten und Supranationalität in Europa als Themen historisch-politischer Bildung (13-69). Hauptteil: Ina Ulrike Paul: Einheit, Vielfalt, Zwiespalt. Nationale Identität und europäisches Bewußtsein in Westeuropa (73-100); Klaus Zernack: Nationale Identität und europäisches Bewußtsein in Osteuropa (101-112); Bernd Mütter: Nation und Europa in Geschichtsdidaktik und Geschichtsunterricht Deutschlands vor 1945 (113-161); Michael Toepfer: Nation und Europa in Geschichtsdidaktik und Geschichtsunterricht Deutschlands nach 1945 und in der Zukunft (163-183). Anhang: Unterrichtsmaterialien: 1. Das "alte" Reich; 2. Slawen und Deutsche im Mittelalter; 3. Die Reformation; 4. Preußen als "Vielvölkerstaat". Literaturhinweise: 1. Zum Thema "Nation"; 2. Zum Thema "Europa"; 3. Zum Thema "Deutschland und Europa in der historisch-politischen Identitätsbildung".
Deliana Popova (DP)
Dipl.-Politologin.
Rubrizierung: 2.35 | 3.1 | 2.343 | 2.31 | 2.61 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Deliana Popova, Rezension zu: Horst Gies (Hrsg.): Nation und Europa in der historisch-politischen Bildung Schwalbach/Ts.: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11331-nation-und-europa-in-der-historisch-politischen-bildung_13433, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13433
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Dipl.-Politologin.
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