/ 22.06.2013
Nayef R. F. Al-Rodhan
Neo-statecraft and Meta-geopolitics. Reconciliation of Power, Interests and Justice in the 21st Century
Wien/Berlin: Lit 2009; 361 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-643-80006-0Al-Rodhan verfasst mit diesem Buch eine Anleitung für die Staatskunst, die für Staatsmänner und -frauen gedacht ist, um einen Staat auf der internationalen Ebene richtig zu führen. Dafür sei in der heutigen komplexen Welt eine Vielzahl von Aspekten zu berücksichtigen, um am Ende Macht, Interessen und Gerechtigkeit miteinander versöhnen zu können. Dieser Intention geht der Autor in seinem ambitionierten Projekt, das er „neo-statecraft“ nennt, nach. Zu Beginn wird knapp in die bisherigen Ansätze der Staatskunst und der Bedeutung der Geopolitik eingeführt, um dann die innovative Theorie darzulegen. Diese setzt sich aus vier Konzepten zusammen. Zunächst beschreibt Al-Rodhan das Konzept der „meta-geopolitics“, das sieben Dimensionen der Staatsmacht umfasst: soziale und Gesundheitsangelegenheiten, innere Politik, Ökonomie und Umwelt, Wissenschaft und Humankapital, militärische und Sicherheitsangelegenheiten sowie internationale Diplomatie. In all diesen Bereichen müsse ein Staat in der Lage sein, internationale Dynamiken und daraus entstehende Sicherheitsgefahren durch andere Staaten einschätzen zu können. Das zweite Konzept beinhaltet ein nachhaltiges nationales Sicherheitsparadigma. Danach könne die Sicherheit jedes einzelnen Staates langfristig nur durch gegenseitige Hilfe der Staaten untereinander gewährleistet werden. Dies stellt eine Abkehr von der weit verbreiteten Annahme eines Nullsummenspiels in den internationalen Beziehungen dar. Die dritte Komponente bezeichnet der Autor als „just power“ (139). Hier argumentiert er, dass die moderne Staatskunst die Förderung der Gerechtigkeit als primäres Ziel verfolgen sollte – dies jedoch nicht aus altruistischen Gründen, sondern weil es der einzige Weg sei, Fortschritt und Stabilität in einer globalisierten Welt nachhaltig sicherzustellen. Zuletzt fasst Al-Rodhan unter dem Konzept „reconciliation statecraft“ (203) acht globale Interessen zusammen, die miteinander vereinbart werden müssten: individuelle, gruppenbezogene, nationale, regionale, kulturelle, globale, planetare und moralische Interessen. In der Versöhnung dieser unterschiedlichen Interessen kommt für den Autor die Quintessenz seines Konzeptes zum Ausdruck: Es gehe bei der „neo-statecraft“ darum, eine langfristige und nachhaltige Strategie für globale Gerechtigkeit zu fördern. Zuletzt verdeutlicht der Autor sein Konzept anhand von Fallbeispielen, in denen für 20 Staaten in Stichworten Dilemmata wie auch zukünftige Entwicklungspfade aufgezeigt werden.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.1 | 4.2 | 2.21
Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Nayef R. F. Al-Rodhan: Neo-statecraft and Meta-geopolitics. Wien/Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35402-neo-statecraft-and-meta-geopolitics_42668, veröffentlicht am 04.10.2012.
Buch-Nr.: 42668
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Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
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