/ 22.06.2013
Christian Stegbauer (Hrsg.)
Netzwerkanalyse und Netzwerktheorie. Ein neues Paradigma in den Sozialwissenschaften
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010 (Netzwerkforschung 2); 596 S.; 2. Aufl.; brosch., 49,95 €; ISBN 978-3-531-17327-6Die Stärke der Netzwerkforschung ist die Verbindung von Theorie und Empirie sowie die ausgeprägte transdisziplinäre Verankerung. Das in den USA weit verbreitete Forschungsfeld wird hierzulande als „neues Paradigma“, so der Untertitel, gehandelt. Dem Anspruch, diesen Bereich zu erhellen, wird der Sammelband, der auf eine Tagung an der Universität Frankfurt a. M. im Jahr 2007 zurückgeht, gerecht. Neben einem einführenden Teil sind Beiträge versammelt zu Netzwerktheorie und -methode, zur Untersuchung von Dynamik in Netzwerken, zur Anwendung in verschiedenen Disziplinen und Organisationen sowie zur Akteur-Netzwerk-Theorie. Holzer interpretiert den Netzwerkbegriff systemtheoretisch: Mit „Komplexität“ als gemeinsamem Begriff ist für ihn „das Verhältnis von Netzwerken und Systemen nicht nur begrifflich zu klären, sondern auch zu überlegen, wie Vernetzung und Differenzierung sich gegenseitig bedingen“ (155). Elemente von Netzwerken versteht er als „höher aggregierte Zurechnungen“ (156), nicht als einzelne Kommunikationssequenzen. So formulieren soziale Adressen Erwartungen und darüber Kontaktchancen. Zu unterbestimmt ist Holzer die Bestimmung von Beziehungen als „strong“ und „weak ties“ (156). Netzwerke sind für ihn „Formen sozialer Ordnungsbildung über reflexive Kontakte, die sich innerhalb und zwischen Systemen herausbilden. Sie [...] bestehen aus einer Vielzahl einzelner Dyaden oder ‚Kontaktsysteme‘“ (162) und können quer zu Systemgrenzen liegen. Abschließend diskutiert er die Nähe der Netzwerktheorie zur Supertheorie und Potenziale dieser Verbindung. „Transparentes Parlament“ (455) ist das Fallbeispiel von Hatzel und Üschner. Sie zeigen, dass die Mitglieder des Gesundheitsausschusses im Bundestag zwar keine parteiübergreifenden Netzwerke bilden, wohl aber über einen längeren Zeitraum Strukturen informeller Kontaktnetzwerke. Des Weiteren deckt ihre netzwerkgestützte Textanalyse personale, inhaltliche und diskursive Relationen über zwei Jahre auf; dies leisten andere Methoden nur bedingt, wie der Beitrag zeigt. Leider fehlt dem sonst sehr weitreichenden Band ein zusammenfassendes Kapitel.
Isabelle Borucki (ISA)
Dr., Politikwissenschaftlerin (Soziologin, Philosophin), wiss. Mitarbeiterin SFB 600 Fremdheit und Armut, Institut für Politikwissenschaft, Universität Trier.
Rubrizierung: 5.2 | 5.42 | 1.2
Empfohlene Zitierweise: Isabelle Borucki, Rezension zu: Christian Stegbauer (Hrsg.): Netzwerkanalyse und Netzwerktheorie. Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32086-netzwerkanalyse-und-netzwerktheorie_38269, veröffentlicht am 02.08.2010.
Buch-Nr.: 38269
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Dr., Politikwissenschaftlerin (Soziologin, Philosophin), wiss. Mitarbeiterin SFB 600 Fremdheit und Armut, Institut für Politikwissenschaft, Universität Trier.
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