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/ 22.06.2013
Manuel Knoll / Stefano Saracino (Hrsg.)

Niccolò Machiavelli. Die Geburt des Staates

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2010 (Staatsdiskurse 11); 235 S.; 42,- €; ISBN 978-3-515-09797-0
Der Florentiner Niccolò Machiavelli (1469-1527) gilt als einer der Begründer des neuzeitlichen politischen Denkens. Seine Anordnung des Spannungsverhältnisses von Politik und Moral in einem Staat, der seine Legitimation nicht mehr von einem christlichen Gott, sondern aus dem eigenen Selbsterhalt ableitet, bestimmt diese Wirkungsmächtigkeit. Innerhalb der politischen Ideengeschichte ist das Schlagwort des Machiavellismus als Machtstaatsdenken ohne ethische Fundierung entstanden, auch wenn dieser Begriff auf Machiavelli selbst nicht angewandt werden kann. Machiavelli-Apologeten sehen ihn als Republikaner, der mit dem Postulat der Mischverfassung aus Monarchie, Aristokratie und Demokratie ein Gleichgewicht zwischen den einzelnen Gesellschaftsteilen in einer Republik herstellen will. Die Rezeptionsgeschichte konzentriert sich auf die beiden Hauptwerke Il Principe und Discorsi. In dem Sammelband werden die Ergebnisse einer Tagung im Dezember 2009 vorgelegt, auf der sich die Teilnehmer in kontextualistischer Perspektive mit der Entwicklung der Machiavelli-Forschung auseinandersetzten. Innerhalb der Werkschau werden menschliche Leidenschaften als Grundsäule des politischen Handelns im Sinne Machiavellis noch einmal erfasst. Dabei eröffnet die literaturwissenschaftliche Untersuchung durch Dirk Hoeges eine neue Perspektive auf den Literaten und Sprachästheten Machiavelli. Der Schwerpunkt des Bandes liegt jedoch auf den vielfältigen Facetten der Rezeptionsgeschichte. Häufig wurde Machiavelli zur Projektionsfläche für Rezipienten, die aus ihrem eigenen historischen Umfeld heraus sein Werk deuteten. Den Autoren gelingt es dabei, sowohl die zeitliche Spanne bis ins 20. Jahrhundert hinein als auch die philosophische Breite der Rezeptionsgeschichte abzubilden. Der Band reiht sich daher in die aktuelle Diskussion um die Revitalisierung des Staatsbegriffs ein. Er ist auch für Studierende geeignet, die sich mit den Facetten der Wirkungsgeschichte eines politischen Denkers auseinandersetzen wollen.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.325.42 Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Manuel Knoll / Stefano Saracino (Hrsg.): Niccolò Machiavelli. Stuttgart: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33251-niccol-machiavelli_39760, veröffentlicht am 19.01.2011. Buch-Nr.: 39760 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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