/ 22.06.2013
Gruppe INEX (Hrsg.)
Nie wieder Kommunismus? Zur linken Kritik an Stalinismus und Realsozialismus
Münster: Unrast 2012; 228 S.; 14,80 €; ISBN 978-3-89771-511-0Die lineare Ableitung, dass die Abgründe des Realsozialismus notwendig die Überlegenheit des westlichen Kapitalismus bezeugen, dient immer noch als Legitimationsformel der bestehenden Ordnung, die sich darin als alternativlos darstellen kann. Emanzipatorische linke Projekte sehen sich demnach oft dem Zwiespalt ausgesetzt, entweder geschichtsvergessene Abstraktion vorzunehmen oder sich in einer Abwehrhaltung selbst um das emanzipatorische Potenzial zu betrügen. Fernab davon, sich in diesem Dilemma zu verorten, drängt der Sammelband auf die selbstständige Aufarbeitung und Analyse der Geschichte des Realsozialismus und Stalinismus als einer Kontrastfolie für die Anleitung einer zukünftigen Bewegung. Die sehr unterschiedlichen Fragmente dieses Projektes reichen von der Spurensuche nach theoretischen Unzulänglichkeiten der historischen kommunistischen Politiken bis zur konkreten Analyse der Entstehungsbedingungen und Wirkmechanismen der Transformation eines Befreiungsanspruches in repressive Regime. Für die Rehabilitierung einer kommunistischen Idee lassen sich die zahlreichen Autoren, Autorinnen und Gruppen aber nicht zu einer Relativierung oder Schönfärberei der Geschichte verleiten. Der „geschichtliche […] Optimismus“ (29) speist sich vielmehr aus einer entschiedenen Kritik an Phänomenen wie dem stalinistischen Terror zur Disziplinierung der von Misswirtschaft geplagten Bevölkerung, der überbürokratisierten Planwirtschaft oder der Russischen Revolution als der Einrichtung einer „männlichen Gesellschaft“ (123) und damit generell den Diskrepanzen zwischen utopischem Anspruch und der unzureichenden Realität. Schließlich zeigt auch die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen und historischen antistalinistischen Positionen, dass eine Kritik immer schon gedacht wurde und damit ein anderer Kommunismus möglich war und ist. Eine Lehre, die aus der Analyse gezogen werden kann, so der Tenor, ist daher die konsequente Demokratisierung des Umstrukturierungsprozesses der Gesellschaft, die dem autoritär-repressiven Potenzial entgegentreten soll.
Alexander Struwe (AST)
B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Rubrizierung: 5.43 | 5.42 | 2.22 | 2.23 | 2.62 | 2.331 | 2.35 | 5.33 | 2.313 | 2.314
Empfohlene Zitierweise: Alexander Struwe, Rezension zu: Gruppe INEX (Hrsg.): Nie wieder Kommunismus? Münster: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34677-nie-wieder-kommunismus_41678, veröffentlicht am 08.11.2012.
Buch-Nr.: 41678
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B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
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