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/ 11.06.2013
Ulrich Baer (Hrsg.)

"Niemand zeugt für den Zeugen" Erinnerungskultur und historische Verantwortung nach der Shoah

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2000 (edition suhrkamp 2141); 278 S.; 22,80 DM; ISBN 3-518-12141-3
Wie kann man sich einem Ereignis annähern, das unser Begriffs- und Deutungsvermögen übersteigt? Diese Frage steht letztlich hinter allen Untersuchungen zur Erinnerungskultur, sie wird hier allerdings unter einer neuen Perspektive gestellt. Im Zentrum der Beiträge steht der Begriff der Zeugen und des Zeugnisses, die beide jeweils als soziale Beziehungen aufgefaßt werden. Der Zeuge wird erst zum Zeugen, wenn er sich in dieser Funktion einer Öffentlichkeit stellt, und erst in dieser Handlung konstituiert er auch ein Zeugnis. "Die [...] Beiträge präsentieren theoretisch fundierte und pädagogisch umsetzbare Überlegungen dazu, wie die jetzt aufwachsenden Generationen die Geschichtserfahrungen ihrer Vorfahren bezeugen und Verantwortung für Geschehen in der Gegenwart übernehmen können." (25) Fast ausschließlich handelt es sich dabei um erstmalige Übersetzungen englischer und französischer Artikel. Inhalt: I. Zugänge zur Zeugenschaft: Geoffrey Hartman: Intellektuelle Zeugenschaft und die Shoah (1998); Lawrence Langer: Die Zeit der Erinnerung. Zeitverlauf und Dauer in Zeugenaussagen von Überlebenden des Holocaust (1995); Dori Laub: Zeugnis ablegen oder Die Schwierigkeit des Zuhörens (1992); Cathy Caruth: Trauma als historische Erfahrung: Die Vergangenheit einholen (1995). II. Sekundäre Zeugenschaft: Claude Lanzmann: Der Ort und das Wort (1990); Pierre Vidal-Naquet: Überlegungen zu drei Ravensbrück (1993); Jared Stark: Die Aufgabe der Zeugenschaft. Das Holocaust-Zeugnis der Alina Bacall-Zwirn (Originalbeitrag); Robert Cohen: Identitätspolitik als politische Ästhetik. Peter Weiss' Ermittlung im amerikanischen Holocaust-Diskurs (1998); Shoshana Felman: Im Zeitalter der Zeugenschaft: Claude Lanzmanns Shoah (1992). III. Zeugenschaft und Medien: Lawrence Douglas: Der Film als Zeuge. Nazi Concentration Camps vor dem Nürnberger Gerichtshof (1995); Bernd Hüppauf: Der entleerte Blick: Gewalt im Visier (1997); Ulrich Baer: Zum Zeugen werden. Landschaftstradition und Shoah oder Die Grenzen der Geschichtsschreibung im Bild (1998); Avital Ronell: Trauma-TV: Video als Zeugnis. Zwölf Schritte jenseits des Lustprinzips (1997).
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.352.312 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Ulrich Baer (Hrsg.): "Niemand zeugt für den Zeugen" Frankfurt a. M.: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10932-niemand-zeugt-fuer-den-zeugen_12926, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12926 Rezension drucken
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