/ 21.06.2013
Sabine Hess / Jana Binder / Johannes Moser (Hrsg.)
No integration?! Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Integrationsdebatte in Europa
Bielefeld: transcript Verlag 2009; 242 S.; kart., 24,80 €; ISBN 978-3-89942-890-2Die Publikation geht auf eine Gesprächsreihe zurück, die 2007/08 von der LMU München (Lehrstuhl für Volkskunde/Europäische Ethnologie), dem Goethe-Institut und den Münchner Kammerspielen in Zusammenarbeit mit der Allianz Kulturstiftung und dem Bayerischen Rundfunk veranstaltet wurde. Der Band ist interdisziplinär angelegt. Zu den Autoren gehören insbesondere Sozialwissenschaftler, Soziologen, Kulturanthropologen und Ethnologen. Der Titel „No integration“ ist dabei durchaus programmatisch zu verstehen. Was die Beiträge eint, ist eine kritische Sicht auf den derzeitigen Integrationsdiskurs. Die Autoren konstatieren eine Hegemonie leitkulturalistischer und ökonomischer Perspektiven, die weder Migranten als Subjekten noch der gesellschaftlichen Pluralität im Allgemeinen gerecht werden. Analog dazu werden auch multikulturalistische Ansätze kritisch hinterfragt. Darauf basierenden Identitätspolitiken wird ebenfalls eine vermeintlich kulturalistisch-vereinheitlichende Funktion vorgehalten. Die Beiträge sind sehr stark vom postkolonialen Denken beeinflusst. Als mögliche Zukunftsperspektiven werden transnationale und kosmopolitische Ansätze diskutiert. Insgesamt handelt es sich um einen gelungenen Diskussionsbeitrag. Auch wer das Integrationsparadigma teilt, findet hier anregende Analysen zur Hinterfragung der eigenen Position. Letzteres bleibt auch den Vertretern der im Band präsentierten Sichtweisen angeraten. Die Dekonstruktion eingefahrener Denkstrukturen gelingt zwar bisweilen, allzu häufig neigen die Autoren jedoch dazu, jegliches Nachdenken über Integration und alle damit verbundenen Maßnahmen vorschnell als tendenziell rassistisch abzutun. Diesbezüglich könnte eine weniger plakative und argumentativ ausdifferenziertere Kritik wohl als Basis für realistischere Handlungsoptionen dienen. Alles in allem ist die Auseinandersetzung mit den hier vertretenen Positionen jedoch gerade aus politikwissenschaftlicher Sicht sehr reizvoll, da die präsentierte Perspektive der Migration in den eigenen Ansätzen wohl weiterhin zu wenig Beachtung findet.
Markus Linden (LIN)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, SFB 600 - Teilprojekt C7 "Die politische Repräsentation von Fremden und Armen", Universität Trier.
Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 3.5 | 2.343
Empfohlene Zitierweise: Markus Linden, Rezension zu: Sabine Hess / Jana Binder / Johannes Moser (Hrsg.): No integration?! Bielefeld: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30330-no-integration_35994, veröffentlicht am 19.08.2009.
Buch-Nr.: 35994
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Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, SFB 600 - Teilprojekt C7 "Die politische Repräsentation von Fremden und Armen", Universität Trier.
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