/ 21.06.2013
Helgard Kramer (Hrsg.)
NS-Täter aus interdisziplinärer Perspektive
München: Martin Meidenbauer Verlag 2006; 445 S.; pb., 42,90 €; ISBN 978-3-89975-055-3Die Herausgeberin hat in diesem Sammelband 22 Beiträge zusammengestellt, in denen aus jeweils unterschiedlicher Perspektive die NS-Täterschaft und ihre Vergangenheitsbewältigung untersucht werden. Die Autoren stammen unter anderem aus der Geschichts-, Rechts- und Filmwissenschaft, aus der Genetik, Medizin, Psychologie, Soziologie, Sozialpsychologie und Theologie. Herausragend ist die Analyse von Newman, der aus Sicht der US-amerikanischen Sozialpsychologie fragt, ob die Beteiligung eines Individuums an einem Genozid durch seinen Charakter und seine persönliche Überzeugung oder durch die Situation (situational pressures) bestimmt ist. Die Journalistin Sereny untersucht anhand der Gegenüberstellung von Stangl und Speer die persönlichen Motive der Partizipation im NS-System und die Unterschiede im individuellen Umgang mit der eigenen Tätervergangenheit. Dabei ist auch der Versuch von Kramer, verschiedene Tätertypologien zu konstruieren, bedeutend. Jedoch weist Hans Mommsen in seinem knappen Beitrag darauf hin, dass die Täterforschung nicht unabhängig von den politischen Strukturen der NS-Herrschaft erfolgen könne. Die Beiträge gehen größtenteils auf die Tagung „NS-Perpetrators from an Interdisciplinary Perspective“ vom April 2005 in Berlin zurück.
Jost Wübbeke (JW)
Student, Lehrstuhl für Internationale Politik, Ruhr-Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.35 | 2.312
Empfohlene Zitierweise: Jost Wübbeke, Rezension zu: Helgard Kramer (Hrsg.): NS-Täter aus interdisziplinärer Perspektive München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27925-ns-taeter-aus-interdisziplinaerer-perspektive_32813, veröffentlicht am 03.04.2008.
Buch-Nr.: 32813
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Student, Lehrstuhl für Internationale Politik, Ruhr-Universität Bochum.
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