/ 20.06.2013
Michael J. Williams
On Mars and Venus. Strategic Culture as an Intervening Variable in US and European Foreign Policy
Münster: Lit 2005 (Forschungsberichte Internationale Politik 29); 110 S.; brosch., 14,90 €; ISBN 3-8258-8134-2Stimmt es, dass in den USA und in den EU-Ländern grundsätzlich divergierende sicherheitspolitische Weltbilder und Auffassungen von Macht(politik) vorherrschen? Williams beantwortet diese Frage anhand von Alastair Iain Johnstons Theorie der strategischen Kultur als intervenierende Variable. Demnach sind sicherheitspolitische Weltbilder eine intervenierende Variable, d. h. ein Faktor, der außenpolitisches Handeln wie die umstrittene Intervention im Irak 2003 zwar nicht determiniert, aber entscheidend mit beeinflusst. Der Autor betont zunächst, dass sich die sicherheitspolitischen Divergenzen zwischen Europa und den USA eher auf die Zweckmäßigkeit militärischer Mittel als auf zentrale sicherheitspolitische Ziele beziehen. Wie er in einer historisch weit ausgreifenden Dokumentenanalyse zeigt, entsprechen die USA einem defensiven Typus mit offensivem Einschlag, wogegen die selbst erklärte „Zivilmacht“ Europa ausgleichend („accomodationist“ [48]) ausgerichtet sei. Die transatlantische Uneinigkeit im Streitfall Irak 2003 erachtet Williams als Beweis für die Existenz und Wirksamkeit dieser strategischen Kulturen – mit der nachdrücklichen Einschränkung, dass eine einheitliche europäische Sicherheitskultur reiner Mythos sei. Ob sich die strategische Kultur der untersuchten Akteure wirklich unabhängig von deren außenpolitischem Handeln ermitteln lässt, wird leider nicht ganz deutlich. Gerade weil der Autor die Europäische Union zunächst als einheitlichen strategischen „Kulturraum“ behandelt, bleibt es rätselhaft, wieso die innereuropäischen Zerwürfnisse über den Irak-Krieg strategisch-kulturell erklärbar sein sollten. Auch die Frage, welche alternativen Faktoren das Verhalten im Streitfall Irak erklären könnten, wird schlicht ignoriert.
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 4.2 | 4.22 | 3.6 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: Michael J. Williams: On Mars and Venus. Münster: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25276-on-mars-and-venus_29279, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29279
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M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
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