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/ 20.06.2013
Eric Voegelin

Ordnung und Geschichte. Band II: Israel und die Offenbarung. Die Geburt der Geschichte. Hrsg. von Friedhelm Hartenstein und Jörg Jeremias. Aus dem Englischen von Uta Uchegbu, Nils Winkler und Friedhelm Hartenstein

München: Wilhelm Fink Verlag 2005 (Periagoge); 318 S.; Ln., 34,90 €; ISBN 3-7705-3702-5
Dieser Teilband erscheint als erster im Rahmen der von Opitz und Herz herausgegebenen zehnbändigen Gesamtausgabe des monumentalen Spätwerks Voegelins in deutscher Übersetzung. Dieses spannt einen weiten Bogen von den Reichen des Alten Orients über die griechische Antike bis zu den modernen „gnostischen Massenbewegungen“ in der Form der Totalitarismen des 20. Jahrhunderts. Dabei geht es Voegelin nicht um eine ideengeschichtliche Enzyklopädie, sondern um die politisch-philosophische „Suche nach Ordnung“ der „menschlichen Existenz in Gesellschaft und Geschichte“, die er mithilfe des Wandels politischer Ordnungen und ihrer Symbolisierungen zu erschließen sucht. In diesem Kontext kommt der Transzendenzerfahrung zentrale Bedeutung zu. Daraus resultiert Voegelins ausführliche Beschäftigung mit Israel und dem Alten Testament. Im Unterschied zu den „kosmologischen Reichen“ Mesopotamien und Ägypten (vgl. Bd. I) nimmt Israel eine Sonderstellung ein, da sich zum ersten Mal vollständig der „Seinssprung“ vollzieht. „Die symbolische Ordnung Israels orientiert sich nämlich nicht mehr an der kompakten Immanenz der Welt, sondern an der Transzendenz des göttlichen Seinsgrunds“ (Hartenstein/Jeremias, 12): „Hätte sich nichts weiter ereignet als eine geglückte Flucht aus dem Machtbereich Ägyptens, so hätte es allenfalls ein paar Nomadenstämme mehr gegeben [...] Was aus dem Destillierkolben der Wüste hervorging, war [...] ein neuer Typ von Gesellschaft, der sich von den Kulturen der Zeit durch die göttliche Erwählung abhob“ (27 f.). Daraus ergibt sich die zentrale These der „Erschaffung der Geschichte durch Israel“ (29). Denn für Voegelin ist „die (Geschichts-)erzählung vom Buch Genesis bis zum 2. Königebuch [...] eine symbolische Form, die für das, was Geschichte in der abendländischen Tradition werden sollte, von großer Bedeutung ist“, da sich erst von diesen „paradigmatischen Gründungsereignisse(n)“ ein „‚Vorher’ und ein ‚Nachher’ aus(dehnte)“ und so „eine Struktur ständig neu unternommener retrospektiver Erfahrungsdeutung (entstand)“ (Hartenstein/Jeremias, 14).
Robert Chr. van Ooyen (RVO)
Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
Rubrizierung: 5.462.632.23 Empfohlene Zitierweise: Robert Chr. van Ooyen, Rezension zu: Eric Voegelin: Ordnung und Geschichte. Band II: München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22219-ordnung-und-geschichte-band-ii_25339, veröffentlicht am 03.12.2007. Buch-Nr.: 25339 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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