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/ 19.06.2013
Eric Voegelin

Ordnung und Geschichte. Band VIII: Das Ökumenische Zeitalter. Die Legitimität der Antike. Hrsg. von Thomas Hollweck. Aus dem Englischen von Wibke Reger

Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2004 (Periagoge); 264 S.; Ln., 25,90 €; ISBN 3-7705-3844-7
Im achten Band seines geschichtsphilosophischen Monumentalentwurfs, der nunmehr in einer deutschen Übersetzung vorliegt, legt Voegelin ausführlich dar, warum er die Anlage des ursprünglichen Projekts zu Ordnung und Geschichte aufgab. Der Prozess der Geschichte und das, was darin als Ordnung erkennbar sei, stellte sich Voegelin nicht als ein Kontinuum und Kette konsekutiver Ereignisse dar, sondern vielmehr als ein „im Prozeß der Offenbarung befindliches Mysterium“ (21), dem er auf die Spur zu kommen trachtet. Dies versucht Voegelin über Symbolismen zu erfassen, die erstmals in der Zeit zwischen dem Aufstieg des persischen und dem Untergang des römischen Reiches auftreten. Die „große Reichweite der miteinander verbundenen Probleme, die behandelt werden mussten, und das Ausmaß, das die Analyse angenommen hat“ (82) zwangen ihn dabei, seine „Analyse rückwärts, vorwärts und seitwärts“ auszudehnen, „um empirisch den Bedeutungsmustern zu folgen, die sich in der eigenen Interpretation von Personen und Gesellschaften in der Geschichte offenbarten“ (83). Kosmologischer Anfang und transkosmisches Jenseits – hier ist aus Voegelins Sicht die Menschheit positioniert und hier entwickeln sich die spannungsreichen Entwürfe einer Sinndeutung bzw. einer Ordnung der menschlichen Existenz in Gesellschaft und Geschichte. Voegelin mutet seinem Leser viel zu – das entfaltete Wissen ist stupend, der Versuch des systematisierenden Zugriffs auf das überbordende Material heroisch. Es ist sicher nicht jedermanns Sache, sich hierauf und vor allem auf das dahinter stehende geschichtsphilosophische Projekt einzulassen. Als Suche nach Selbstauslegung der Menschheit bleibt Voegelins Werk jedoch immer noch ein moderner Klassiker, der streckenweise erstaunliche Einsichten vermittelt. Im heutigen Mainstream einer normativ desinteressierten Politikwissenschaft ist dies allerdings ein hoffnungslos randständiges Werk.
Roland Lhotta (RL)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.315.46 Empfohlene Zitierweise: Roland Lhotta, Rezension zu: Eric Voegelin: Ordnung und Geschichte. Band VIII: Paderborn: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20991-ordnung-und-geschichte-band-viii_24484, veröffentlicht am 03.12.2007. Buch-Nr.: 24484 Rezension drucken
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