/ 17.06.2013
Klaus Türk / Thomas Lemke / Michael Bruch
Organisation in der modernen Gesellschaft. Eine historische Einführung
Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2002; 339 S.; brosch., 32,- €; ISBN 3-531-13752-2Das Buch ist eine anspruchsvolle Einführung in das Phänomen Organisation, die sich durch die zugrunde liegende Fragestellung markant von einer Vielzahl auch soziologischer Literatur zur Organisationstheorie abhebt. Im Anschluss an Foucaults Konzept der Gouvernementalität wird Organisation zugleich als Form und konkreter Ort einer Regulierung von Kooperation verstanden, die durch Verknüpfung der drei Dimensionen Ordnung, Gebilde und Vergemeinschaftung die Kohärenz eines spezifischen Organisationsregimes gewinnt. Die Bedeutung der Organisationen für Gesellschaft erschließt sich jedoch erst, wenn die "nicht-organisationale[n] Funktionen und Folgen organisationalen Operierens" berücksichtigt werden (38 ff.). Damit ist der zweite theoretische Bezugspunkt der Studie bezeichnet: Im Sinne einer von Marx ausgehenden "Kritik der Politischen Ökonomie der Organisation" (45) werden Organisationen als das zentrale Medium von Herrschaft in der modernen Gesellschaft verstanden. Auf der Basis dieser theoretischen Explikation entwickeln die Autoren eine historische Genealogie von Organisationen, die zunächst die Phase von der frühen Neuzeit bis zum 18. Jahrhundert als "Take-Off der Organisierung" und anschließend das 19. Jahrhundert als "Durchsetzung der Organisierung" darstellt. Das weit gefasste "Zwanzigste Jahrhundert" behandelt die Weimarer Republik im Zeichen des "organisierten Kapitalismus", die Organisationsregimes von Bolschewismus beziehungsweise Nationalsozialismus und - in knapper Form - gegenwärtige Tendenzen bis hin zum Governance-Konzept des "Organisationalen Neoliberalismus" . Aufgrund der originellen Theorieperspektive dürfte die Studie vor allem für Leser relevant sein, die sich für Anwendungsmöglichkeiten des analytischen Instrumentariums der Machttheorie Foucaults im engeren Gegenstandsbereich der Sozialwissenschaften interessieren.
Inhaltsübersicht: A. Die Organisation der Gesellschaft: I. Zum Verhältnis von Organisation und Gesellschaft; II. Organisation als gesellschaftliches Konstrukt; III. Nicht-organisationale Folgen gesellschaftlicher Organisation. B. Take-Off der Organisierung: Gesellschaftliche Ordnungskonzepte von der frühen Neuzeit bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts: II. Konstitution und Konturen des modernen Rationalitätsdispositivs; III. Vom Personenverband zur Polizey: Die Entstehung des früh neuzeitlichen Staates; IV. Gehorsam und Glaube: Die Geburt des modernen Subjekts; V. Vom Oikos zur Ökonomie: Die Formierung der Wirtschaftsgesellschaft; VI. Zucht und Zwang: Die Einrichtung der ersten Arbeitshäuser und die Erziehung zur "Industriösität"; VII. Zwischen Assoziation und Korporation: Vereine als Proto-Organisationen. C. Die Durchsetzung der Organisierung: Das 19. Jahrhundert: II. Die Entwicklung bis 1848; III. Von 1848 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs. D. Das Zwanzigste Jahrhundert: II. Die Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs; III. Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Klaus Türk / Thomas Lemke / Michael Bruch: Organisation in der modernen Gesellschaft. Wiesbaden: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16406-organisation-in-der-modernen-gesellschaft_18837, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18837
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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