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/ 21.06.2013
Christoph Heinemann

Organisierte Interessen. Nationale und europäische Arzneimittelregulierung in Deutschland und Großbritannien

Berlin: Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2006; 397 S.; brosch., 42,- €; ISBN 978-3-86573-196-8
Politikwiss. Diss. Gießen, Gutachter: C. Leggewie – Die Arzneimittelregulierung ist ein Politikfeld, welches in der Gesundheitspolitik einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Damit geht ein dichtes Netzwerk von organisierten Interessen sowie nationalen und europäischen Entscheidungsträgern einher. Untersuchungsgegenstand sind die Interaktionen in diesen Netzwerken in vergleichender Perspektive in Deutschland, Großbritannien und auf europäischer Ebene. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Strukturen, Prozessen und Netzwerkinhalten. Als „analytische Werkzeugkiste“ (21) dient der Netzwerkansatz, der tragfähige theoretische Aussagen über das System der nationalen und supranationalen Interessenvermittlung insgesamt ermöglichen soll (17). Nach einer ausführlichen Darstellung der Arzneimittelregulierung seit den 1960er-Jahren erfolgt eine Beschreibung der jeweiligen Eigenschaften des politischen Systems, die für die Interessenvermittlung relevant sind. Hierfür trägt der Autor den politikwissenschaftlichen, vor allem älteren Literaturstand zusammen. Mit der nachfolgenden empirischen Untersuchung wird versucht, die Interaktionen zwischen den Akteuren quantitativ, beispielsweise hinsichtlich der Intensität und der Informationsflüsse, zu bewerten. In vielerlei Hinsicht bleibt die Untersuchung hinter den selbst gesetzten Zielen zurück: So lässt der verwendete Fragenbogen als wesentlicher Bestandteil der empirischen Untersuchung keine Rückschlüsse auf den Prozesscharakter innerhalb von Netzwerken zu, da die Fragestellungen nur eine Momentaufnahme ermöglichen. Des Weiteren wurden Angaben über die Anzahl der versendeten Fragebögen bzw. die durchgeführten Telefoninterviews und die Rücklauf-/Antwortquoten weggelassen, die jedoch für die Beurteilung der statistischen Ergebnisse relevant sind. Der Sinn der umfangreichen Literaturausführungen bleibt an vielen Stellen mit Blick auf die Fragestellung unklar. Insgesamt sind dem Werk interessante Ausführungen zur Arzneimittelregulierung zu entnehmen, aber tragfähige theoretische Aussagen können nicht abgeleitet werden.
Stefanie John (SJ)
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.2632.3432.212.613.5 Empfohlene Zitierweise: Stefanie John, Rezension zu: Christoph Heinemann: Organisierte Interessen. Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27620-organisierte-interessen_32415, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32415 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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