/ 22.06.2013
Mathis Bader
Organmangel und Organverteilung
Tübingen: Mohr Siebeck 2010 (Freiburger Rechtswissenschaftliche Abhandlungen 5); XXVII, 544 S.; brosch., 79,- €; ISBN 978-3-16-150264-4Rechtswiss. Diss. Freiburg; Gutachter: F. Schoch, T. Würtenberger. – Die explizit auch als rechtspolitische Stellungnahme gedachte Arbeit behandelt ein im Wortsinne existenzielles, in der öffentlichen Debatte aber vergleichsweise wenig präsentes Thema. Zu Recht unterscheidet Bader zwischen dem faktischen, allerdings durch rechtliche Regelungen beeinflussten Organmangel einerseits und dem System der Organverteilung andererseits.
Im ersten Kapitel werden Strategien gegen den Organmangel vorgestellt. Die Ausweitung der Lebendspende (deren Anwendungsbereich gegenwärtig durch eine verfassungsrechtlich bedenkliche Regelung stark eingeschränkt ist) wird als wünschenswert betrachtet, aber nur knapp behandelt. Ebenso werden andere relevante Faktoren wie insbesondere die organisatorischen Komponenten (etwa die Meldebereitschaft der beteiligten Kliniken) zwar angesprochen, aber nicht als entscheidend angesehen. Die unterschiedlichen Modelle, mittels derer die Zahl postmortaler Organspenden erhöht werden soll, würdigt Bader ausführlich. Auf der Basis einer umfassenden verfassungsrechtlichen Bewertung plädiert er dafür, eine „enge Widerspruchslösung“ (60) einzuführen.
Der deutlich umfangreichere zweite Teil der Arbeit enthält eine umfassende Darstellung des deutschen Organverteilungssystems. Bader stellt zunächst die Entstehungsgeschichte dar und untersucht anschließend die komplexen Organisations- und Entscheidungsstrukturen, die auf unterschiedliche Normarten rekurrieren und teilweise grenzüberschreitend sind. Der dritte Teil schließlich enthält eine primär an verfassungsrechtlichen Basisdirektiven orientierte Erörterung potenzieller Allokationskriterien, die in eine abschließende Formulierung von Leitlinien zur Reform des Transplantationsrechts münden. Insgesamt liegt damit ein solider und gründlicher Überblick vor, der zugleich aber auch gerade in den selbstauferlegten Beschränkungen – etwa im Hinblick auf Rechtsschutz und Aufsicht – die Komplexität der Gesamtproblematik deutlich macht.
Steffen Augsberg (AU)
Prof. Dr., Professur Öffentliches Recht, Justus-Liebig-Universität Gießen.
Rubrizierung: 2.343
Empfohlene Zitierweise: Steffen Augsberg, Rezension zu: Mathis Bader: Organmangel und Organverteilung Tübingen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33308-organmangel-und-organverteilung_39833, veröffentlicht am 15.02.2011.
Buch-Nr.: 39833
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Prof. Dr., Professur Öffentliches Recht, Justus-Liebig-Universität Gießen.
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