/ 22.06.2013
Margareta Kreimer / Richard Sturn / Rudolf Dujmovits (Hrsg.)
Paradigmenwechsel in der Familienpolitik
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011; 202 S.; 34,95 €; ISBN 978-3-531-18114-1In der politischen Debatte hat die Familienpolitik seit einigen Jahren mindestens aus zwei Gründen deutlich mehr Aufmerksamkeit erhalten. Zum einen sind entsprechende infrastrukturelle und monetäre Leistungen zunehmend Gegenstand eines Gleichstellungsdiskurses geworden, der zumal unter Genderaspekten eine Abkehr vom traditionellen Familienernährermodell und stattdessen substanzielle Förderungen einer Vereinbarkeit von Beruf und Familie verlangt. Zum anderen wird offensichtlich die Systemrelevanz von Leistungen in den Bereichen Caring, Erziehung und Bildung angesichts der viel diskutierten Herausforderungen erkannt, denen sich europäische Gesellschaften im Zeichen von Migration, demografischer Entwicklung und dem gestiegenen Stellenwert von Bildung gegenübersehen. Die Autoren diskutieren vor diesem Hintergrund Faktoren und Kriterien eines familienpolitischen Paradigmenwechsels. Wenn auch dabei die Entwicklung dieses Politikfelds in Österreich im Vordergrund steht, ist der Band ebenfalls für die deutsche Debatte relevant – dies hauptsächlich deshalb, weil die Beiträge in ein übergreifendes, primär aus finanzwissenschaftlicher Sicht formuliertes Problemverständnis eingeordnet sind, das von zwei Thesen geleitet ist. Erstens müssen familienpolitische Interventionen als Reaktion auf „reproduktives Marktversagen“ verstanden werden, weil die Dynamik von (Arbeits-)Marktprozessen nicht aus sich heraus die Sozialisierungs-, Betreuungs- und Bildungsfunktionen familialer Lebensformen sichert. Daraus ergibt sich zweitens, dass Familienpolitik immer spezifische Verteilungs- und Koordinationseffekte aufweist, die eine politische Neutralität im Sinne einer Wahlfreiheit für alle Familientypen gleichermaßen nahezu ausschließt. Wenn Familienpolitik – so heißt es zugespitzt – nicht inkohärent werden will, kann sie „nicht gleichzeitig sowohl ein Reproduktionsparadigma egalitär gestimmter Chancenoptimierung für alle Heranwachsenden als auch ein elitär gestimmtes Paradigma schichtspezifischer Reproduktion verfolgen“ (27).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.263 | 2.262 | 2.4
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Margareta Kreimer / Richard Sturn / Rudolf Dujmovits (Hrsg.): Paradigmenwechsel in der Familienpolitik Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34230-paradigmenwechsel-in-der-familienpolitik_41078, veröffentlicht am 23.02.2012.
Buch-Nr.: 41078
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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