/ 21.06.2013
Jost Dülffer / Robert Frank (Hrsg.)
Peace, War and Gender from Antiquity to the Present. Cross-Cultural Perspectives
Essen: Klartext 2009 (Frieden und Krieg 14); 282 S.; brosch., 28,- €; ISBN 978-3-8375-0214-5Diese Publikation bietet ein breites Spektrum verschiedener Beiträge zu dem Themenkomplex Frieden, Konfliktlösung, Gewalt und Gender. Dabei reichen die Fallstudien vom Friedensdenken in der Antike über Konfliktlösungsstrategien in Afrika bis zum Bombenkrieg des Zweiten Weltkriegs. Letzterem Thema widmet sich Charles S. Maier. Er schreibt, dass für lange Jahre die Debatten über die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki eine Diskussion der konventionellen Bombardements im Zweiten Weltkrieg überlagerten. Es habe ein stillschweigender Konsens darüber bestanden, dass die deutschen Bombardierungen Madrids, Guernicas, Warschaus oder Londons verwerflich und die Angriffe der Alliierten auf italienische oder deutsche Städte eine legitime militärische Erwiderung waren. Im Zentrum der Debatten identifiziert der Autor zwei wesentliche moralische Prinzipien. Erstens muss im Kriegsfall die Unterscheidung zwischen Kämpfern und Zivilisten aufrechterhalten werden und zweitens der Standard der Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Der verursachte Schaden soll nicht das zu erwartende Gute überwiegen. Für Deutschland konstatiert Maier eine unaufgeregte Debatte, während er jedoch für die USA festhält, dass deren Selbstbild bisher keine offene Diskussion des Themas zulasse: „But the ‚good war’ is still too fresh or too necessary to subject the same emotional scrutiny“ (265). Damit bezieht er sich auf einen offeneren amerikanischen Umgang mit Themen der ferneren Vergangenheit. Gottfried Niedhart untersucht die liberaldemokratische Friedenstheorie in den internationalen Beziehungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Zuerst trat sie als eine Kritik des merkantilistischen Staates und des Europas der Anciens Régimes in Erscheinung. Sie entstand also im Kontext von Aufklärung, Industrialisierung und der Revolutionen in Nordamerika und Frankreich. Der hieraus resultierende Dreiklang der Theorie aus Demokratie, Marktwirtschaft und internationaler Kooperation stand im scharfen Kontrast zur Schule der Realpolitik. Und doch identifiziert Niedhart abschließend ein zentrales Problem des liberalen Ansatzes: „It rests on the idea of universal progress“ (95).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.1 | 4.41 | 2.27 | 2.312 | 2.61 | 2.62 | 2.65 | 2.67 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Jost Dülffer / Robert Frank (Hrsg.): Peace, War and Gender from Antiquity to the Present. Essen: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31775-peace-war-and-gender-from-antiquity-to-the-present_37872, veröffentlicht am 16.03.2010.
Buch-Nr.: 37872
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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