/ 22.06.2013
Martin Meyer (Hrsg.)
Perspektiven auf eine Welt im Umbruch
Zürich/Chur: Verlag Rüegger 2010 (Sozialwissenschaftliche Studien des schweizerischen Instituts für Auslandforschung 37. Neue Folge); 105 S.; brosch., 21,80 €; ISBN 978-3-7253-0957-3Die Berliner Mauer ist gefallen, fundamentalistischer Terrorismus ist international zu einer ständigen Bedrohung geworden, die Kriege im Nahen Osten sind bis heute nicht beendet und eine ganze Reihe weiterer Krisen hat die Welt seitdem erschüttert; der ewige Friede ist damit in weite Ferne gerückt. Mit dieser Feststellung beginnt das Schweizer Institut für Auslandsstudien seinen Sammelband des Herbstzyklus 2009 unter dem Motto „Zukunft und Risiko“. Robert Kagan beispielsweise sieht in Zukunft wieder eine größere Rolle der Geschichte, am Beispiel Russlands und Chinas sei zu erkennen, wie sehr historische Fundamente die Positionierung dieser Länder im internationalen Konzert bestimmten. Hans-Werner Sinn betrachtet thesenartig die risikoreiche Strategie der internationalen Gemeinschaft im Verlauf der Wirtschaftskrise und zieht daraus Rückschlüsse hinsichtlich der Eigenkapitalausstattung von Banken im Rahmen der Basel III-Vereinbarungen. Nur eine risikogewichtete Ausstattung der Banken mit Eigenkapital könne einer neuen Krise vorbeugen und nur eine internationale Abstimmung dieser neuen Regeln könne auch tatsächlich zur erfolgreichen Implementierung führen. Weniger mit der Analyse einer, wie auch immer gearteten, Krise, sondern vielmehr mit dem Begriff der Krise selbst beschäftigt sich Gerhard Schulze. Aufbauend auf einer skeptischen Grundhaltung, einer Dialektik zwischen Argument und der Beobachtung des Argumentierens sei der inflationäre Gebrauch des Begriffs Krise zu hinterfragen. Er nähert sich mit seinen Schlussfolgerungen einem kybernetischen Verständnis von zeitlich begrenzten Gleichgewichten, wenn er die heutige Zeit mit dem Alltag der polynesischen Seefahrer vergleicht, die zwar immer wieder eine Insel erreicht haben, diese aber nach kurzer Zeit (der Normalität) wieder verlassen mussten, um weiter zu segeln. Damit schließt er eine lesenswerte Sammlung von kurzen Analysen und Sichtweisen auf eine Welt im Umbruch.
Jens Wassenhoven (JWN)
Dipl.-Kfm., Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 1.3 | 4.1 | 4.43 | 4.41 | 2.63 | 2.5
Empfohlene Zitierweise: Jens Wassenhoven, Rezension zu: Martin Meyer (Hrsg.): Perspektiven auf eine Welt im Umbruch Zürich/Chur: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33406-perspektiven-auf-eine-welt-im-umbruch_39970, veröffentlicht am 12.08.2011.
Buch-Nr.: 39970
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Dipl.-Kfm., Dr., Politikwissenschaftler.
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