/ 21.06.2013
Antonia Grunenberg / Waltraud Meints / Oliver Bruns / Christine Harckensee (Hrsg.)
Perspektiven politischen Denkens. Zum 100. Geburtstag von Hannah Arendt
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2008 (Hannah Arendt-Studien 4); 220 S.; brosch., 34,- €; ISBN 978-3-631-56659-6Der Band dokumentiert eine Ringvorlesung an der Universität Oldenburg. Die Autoren entstammen mehrheitlich dem Arbeitskontext des von Grunenberg geleiteten Hannah-Arendt-Zentrums und widmen sich unterschiedlichen Facetten des Werkes der politischen Theoretikerin. Erhellend für deren Blick auf das Politische zeigt sich dabei ein eingangs dokumentierter Vortrag Arendts vom September 1954. Sowohl in der darin erkennbaren kritischen Auseinandersetzung mit Traditionslinien europäischen politischen Denkens als auch in ihrem Blick auf Gegenwartsformen der Philosophie der Nachkriegszeit (wie nicht zuletzt den französischen Existenzialismus) markiert Arendt den Ausgangspunkt ihres politischen Denkens, indem sie für „re-examinations“ (28) der Bedingtheiten menschlichen (und das heißt für sie immer zugleich sozialen) Seins plädiert. Die einzelnen Beiträge des Bandes erlauben in der Nachzeichnung von Arendts Blick auf weitere Orientierungspunkte wie das Denken Kants, Heideggers, Jaspers', aber auch Gadamers und Johnsons eine aktualisierende Lektüre ihres Werkes. Grunenberg hebt dabei die Originalität des Zugangs Arendts im Kontrast zu Heidegger hervor: „Arendt war […] durch die auch existentielle Erschütterung des radikalen Traditionsbruchs, der im Nationalsozialismus und im sowjetischen Kommunismus erschienen war, zur Einsicht gelangt, dass das Denken Heideggers zu eng konzipiert und daher aufzusprengen sei. Ihrer Meinung nach lag ein Teil der Gründe für den neuzeitlichen Traditionsbruch darin, dass die Menschen von der Möglichkeit abgeschnitten waren, ihr Zusammenleben handelnd zu gestalten. Mit der Zentralisierung der Macht im Nationalstaat, mit der Errichtung eines neuen Typus totaler Herrschaft, mit dem Verschwinden des politischen Raums hatte die Moderne Blockaden erzeugt, die die Möglichkeiten des Handelns verstellten.“ (66-67) Von einem solchen Startpunkt aus sind sowohl das Problem der Universalität der Menschenrechte (im Beitrag von Busse) als auch die Implikationen der Hochschulreform (im Beitrag von Rößler) mit Arendt'schen Kategorien zu erschließen.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 5.46 | 4.42 | 2.343
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Antonia Grunenberg / Waltraud Meints / Oliver Bruns / Christine Harckensee (Hrsg.): Perspektiven politischen Denkens. Frankfurt a. M. u. a.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29616-perspektiven-politischen-denkens_35059, veröffentlicht am 20.01.2009.
Buch-Nr.: 35059
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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