/ 18.06.2013
Hans-Martin Krusche
Pfarrer in der DDR. Gespräche über Kirche und Politik
Berlin: Verlag am Park 2002; 479 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 3-89793-074-9"Ist die Kirche angepasst und feige gewesen?" (9) Immerhin habe der Apostel Paulus geschrieben: "Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt der Anordnung Gottes." Wie also hat die Kirche ihre eigene Situation gegenüber der Obrigkeit der DDR verstanden? Das besondere Interesse an der Haltung der Kirche begründet der Theologe Krusche damit, dass die Kirche neben der religiösen immer auch eine politische Aufgabe habe. Außerdem sei sie in der DDR institutionell unabhängig geblieben. Seine Fragen beantwortet der Autor anhand von Interviews, die er mit 13 evangelischen Pastoren der Geburtsjahrgänge von 1926-1930 und 1948-1952 geführt hat. Die unterschiedlichen politischen Erfahrungswelten in der Kindheit haben sich in den persönlichen Meinungen wiedergefunden. So lassen die älteren Pastoren eine deutlich distanzierte Haltung zur DDR erkennen. Insgesamt urteilten fast alle Befragten, "dass die Kirche keinen verkehrten Weg gegangen ist" (459). Es sei der Kirche nach 56 Jahren Diktatur positiv anzurechnen, dass es sie überhaupt noch gibt. Allerdings kritisieren einige Pastoren, dass sich die Kirche nicht deutlich genug auf die Seite derjenigen gestellt habe, die die DDR mehr erlitten als erlebt hätten.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Hans-Martin Krusche: Pfarrer in der DDR. Berlin: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17445-pfarrer-in-der-ddr_20081, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20081
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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