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/ 11.06.2013
John Cornwell

Pius XII. Der Papst, der geschwiegen hat. Aus dem Englischen übersetzt von Klaus Kochmann

München: C. H. Beck 1999; 484 S.; geb., 58,- DM; ISBN 3-406-45472-0
Der Vorwurf, zu Judenverfolgung und Judenmord geschwiegen zu haben, überschattete das Pontifikat von Pius XII. seit jeher. Und eigentlich hatte der Autor des vorliegenden Buches seine diesbezüglichen Recherchen in der Absicht unternommen, den Pacelli-Papst von jenem Vorwurf zu entlasten. Doch das Material, auf das Cornwell stieß, war nicht dazu angetan, die ursprüngliche Absicht zu stützen. Dennoch verfällt Cornwell nicht in das Gegenextrem einer undifferenzierten Verurteilung von Pius XII. So komplex, wie zeitgeschichtlicher Hintergrund, persönliche Prädisposition des Papstes und innerkirchliches Beziehungsgefüge waren, ist auch die Darstellung Cornwells, die in die These mündet, Pius habe um des Ausbaus der unanfechtbaren Machtposition des Papstes willen seine christliche Pflicht vernachlässigt. Hohe Spiritualität und autokratisches Machtstreben habe sich in der Person von Pius verbunden; und so gesteht der Autor dem Papst auch eine gewisse Tragik angesichts der schwierigen historischen Situation zu. Im Nachweis seiner Thesen ist dem Autor ein überaus lesenswertes Buch gelungen, das politische und Kirchengeschichte auf eindrucksvolle Weise reflektiert.
Barbara Zehnpfennnig (BZ)
Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 2.3122.35 Empfohlene Zitierweise: Barbara Zehnpfennnig, Rezension zu: John Cornwell: Pius XII. München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10523-pius-xii_12439, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 12439 Rezension drucken
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