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/ 21.06.2013
Svea Luise Herrmann

Policy Debates on Reprogenetics. The Problematisation of New Research in Great Britain and Germany

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2009; 240 S.; kart., 32,90 €; ISBN 978-3-593-38792-5
In vielen europäischen Ländern ist die Haltung zu reprogenetischen Praktiken wie embryonaler Stammzellenforschung, Präimplantationsdiagnostik oder dem Klonen zu Forschungszwecken höchst kontrovers diskutiert worden. Herrmann untersucht mittels diskurstheoretisch fundierter Inhaltsanalysen, inwieweit diese öffentlichen Debatten Einfluss auf die politische Steuerung wissenschaftlicher Entwicklung ausgeübt haben. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf den Debattenverläufen in Großbritannien und Deutschland. Dabei ist eine erste Schwierigkeit, so Herrmann, überhaupt das eigentliche Problem zu identifizieren: Geht es um das Abwägen von Chancen und Risiken oder erwächst der Konflikt eher aus der Spannung moralischer Tabus und ökonomischer Interessen oder zwischen individuellen Rechten und sozialen Konsequenzen? Um diese Aspekte zum Ausgleich zu bringen, ist es nach Ansicht der Autorin von einem ideellen Standpunkt aus nötig, öffentliche Partizipation an der Debatte zu ermöglichen und so den politischen Entscheidungsprozess zu demokratisieren. In Großbritannien nahm man das Fehlen von öffentlichem Vertrauen und Information als Gefahr für den wissenschaftlichen Fortschritt wahr. Öffentliche Anhörungen fanden jedoch nur unter festen Bedingungen statt, so wurde unter wissenschaftlicher Expertenführung die Frage der Embryonenforschung nach Möglichkeit ausgeklammert und sich auf das Klonen konzentriert, ethische Fragen wurden strikt von wissenschaftlichen getrennt, sodass wissenschaftliches Streben selbst kaum problematisiert wurde. „[T]heir goal was […] to pre-set problematisations against the background of the imperative of scientific progress that was beyond question“ (120). Herrmann zeigt damit, dass der Ausweitung bioethischer öffentlicher Debatten nicht notwendigerweise eine Demokratisierung der Forschungspolitik folgt und sie folgert für beide Länder: „Indeed, referring (actual or potential) conflicts to the area of „ethics“ signalised a depoliticisation of science in favour of liberal and individualistic market logic“ (214).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2632.3432.61 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Svea Luise Herrmann: Policy Debates on Reprogenetics. Frankfurt a. M./New York: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31068-policy-debates-on-reprogenetics_36938, veröffentlicht am 23.09.2009. Buch-Nr.: 36938 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA