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/ 11.06.2013
Martin Blobel

Polis und Kosmopolis III. Selbstbehauptung in Gesten der autonomen Kunst und des Tricksters. Zur politologischen Interpretation der Poetik Baudelaires in Walter Benjamins spätem Passagenwerk

Würzburg: Königshausen & Neumann 2000 (Epistemata: Reihe Literaturwissenschaft 312); 191 S.; brosch., 48,- DM; ISBN 3-8260-1803-6
Der letzte Band der Benjamin-Trilogie Blobels hat den Politikbegriff des späten Passagenwerks (1937-40) zum Thema. Politik werde hier positiv verstanden als die "tätig gestaltende, begehrlich schaffende Nachahmung des Ewigen" (11). Es geht um das Ausmaß, "in welchem die Menschen in ihren Unternehmungen lernen, die Zeitlichkeit und die Endlichkeit ihrer begehrlichen Triebnatur als das Medium zu nutzen, in welchem die erinnernde Nachahmung der Revolution aus der Stillstellung in Todessehnsucht herausgeführt werden kann" (12). Hierbei sei für Benjamin besonders die Poetik Baudelaires von Bedeutung. Gegen die ideologiekritischen Interpretationen der autonomen Kunst als eines neuerlichen Rückzugs in die Innerlichkeit oder in eine ästhetische Gegenwelt nehme Benjamin die Subjektautonomie des modernen Künstlers als Modell für eine nachrevolutionäre Praxis der Freiheit. Dem produktiven Vermögen des Künstlers korrespondiere das politische Konstruktions- und (Mit-)Gestaltungsvermögen des mündigen Bürgers, der aus der in "Polis und Kosmopolis I" dargestellten Lähmung des Totenkults erwacht sei.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.42 Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Martin Blobel: Polis und Kosmopolis III. Würzburg: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12056-polis-und-kosmopolis-iii_14382, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14382 Rezension drucken
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