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/ 17.06.2013
Matthias Leonhard Maier / Frank Nullmeier / Tanja Pritzlaff / Achim Wiesner (Hrsg.)

Politik als Lernprozess. Wissenszentrierte Ansätze der Politikanalyse

Opladen: Leske + Budrich 2003; 342 S.; kart., 29,90 €; ISBN 3-8100-3356-1
Gegenüber institutionalistischen und strukturtheoretischen Erklärungsmodellen haben in der Politikwissenschaft seit den 90er-Jahren kognitivistische Ansätze an Attraktivität gewonnen, die politische Veränderungen als Folge von Lernprozessen interpretieren. Es waren zunächst Studien aus dem Bereich der Policy-Forschung, die - abweichend vom traditionellen Bezug auf Interessen- und Machtpotenziale - Wissen und Überzeugungssysteme individueller oder kollektiver politischer Akteure aufgewertet haben. Allerdings war der dabei verwendete Lernbegriff vielfach zu alltagsnah gefasst, hat doch die „Lernmetaphorik einen deutlichen rationalistischen und affirmativen Bias: Politisches Lernen erscheint als positive Veränderung in Richtung Problemlösung" (14). Die Autoren wollen sowohl in konzeptioneller wie in methodischer Hinsicht zur Klärung der Verwendung lerntheoretischer Ansätze in der Politikwissenschaft beitragen. Das betrifft nicht nur die fragliche Zurechnung von Lernprozessen (auf Akteure, Organisationen, Netzwerke?) und unterschiedliche interpretative Verfahren, sondern ebenso mögliche Anknüpfungen des Lernkonzepts an Kriterien normativer Politiktheorie. Damit leistet der Band einen wichtigen Beitrag zur methodologischen Selbstverständigung der Politikwissenschaft gerade auch gegenüber neueren entscheidungstheoretischen, organisationssoziologischen und kognitionspsychologischen Ansätzen. Die Aufsätze sind aus der Arbeit der Ad-hoc-Gruppe „Politik und Kognition" der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft hervorgegangen. Aus dem Inhalt: Matthias Leonhard Maier / Achim Hurrelmann / Frank Nullmeier / Tanja Pritzlaff / Achim Wiesner: Einleitung: Kann Politik lernen? (7-22) Zugänge zum Thema: Die konzeptionelle Dimension Matthias Leonhard Maier: Wissens- und ideenorientierte Ansätze in der Politikwissenschaft: Versuch einer systematischen Übersicht (25-77) Tanja Malek / Lena Hilkermeier: Überlegungen zur Bedeutung organisationaler Lernansätze in der und für die Politikwissenschaft (78-97) Nils C. Bandelow: Lerntheoretische Ansätze in der Policy-Forschung (98-121) Herbert Gottweis: Post-positivistische Zugänge in der Policy-Forschung (122-138) Herangehensweisen: Die methodische Dimension Achim Wiesner: Ethnographische Politikforschung (141-166) Mark Eisenegger: Kommunikationsereignisse oder Issues - die Elementarteilchen sozialwissenschaftlicher Öffentlichkeitsforschung (167-196) Andreas Dörner: Politik der Bilder. Bemerkungen zur Methodik der Interpretation von audiovisuellen Daten (197-210) Frank Nullmeier: Sprechakttheorie und Textanalyse (211-223) Analysebeispiele: Die empirische Dimension Holger Straßheim: Der Ruf der Sirenen - Zur Dynamik politischen Benchmarkings. Eine Analyse anhand der US-Sozialreformen (227-244) Tanja Pritzlaff: Positionierung im parlamentarischen Prozess (245-266) Achim Hurrelmann: Verfassungspolitik als Konstruktion von Lernprozessen? Konstitutionalisierung und Identitätsbildung in der Europäischen Union (267-291) Achim Wiesner: Mikropolitik des Föderalismus in der Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau (292-326) Ausblick Frank Nullmeier: Zur Normativität des Lernbegriffs (329-342)
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 1.23.12.3312.3212.2622.645.2 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Matthias Leonhard Maier / Frank Nullmeier / Tanja Pritzlaff / Achim Wiesner (Hrsg.): Politik als Lernprozess. Opladen: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16602-politik-als-lernprozess_19068, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19068 Rezension drucken
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