/ 20.06.2013
Joseph C. Wilson
Politik der Wahrheit. Die Lügen, die Bush die Zukunft kosten könnten. Aus dem Englischen von Karin Balzer, Ulrich Enderwitz, Monika Noll und Grace Pampus
Frankfurt a. M.: S. Fischer 2004; 416 S.; 19,90 €; ISBN 3-10-049220-XDer ehemalige US-amerikanische Diplomat Wilson hat sehr viel aus seiner langen Laufbahn zu erzählen und er tut dies auf lebendige, informative und engagierte Art. Sein Buch ist mehr oder weniger in zwei Abschnitte unterteilt: Der umfangreichere davon besteht aus der Schilderung von Wilsons Karriere als Afrika-Experte in Niger, im Kongo, in Südafrika und zuletzt als Botschafter in Gabun. Zwischendurch war er zur Zeit des irakischen Überfalls auf Kuwait stellvertretender Missionschef in Bagdad. Dort hielt er unter schwierigsten Bedingungen die Stellung bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen kurz vor Ausbruch des Zweiten Golfkrieges. Mit der Schilderung seiner Arbeit in Afrika und im Irak liefert Wilson aufschlussreiche Einblicke in die amerikanische Politik in diesen Regionen während der letzten drei Jahrzehnte. Noch interessanter ist allerdings Wilsons Darstellung des geradezu skandalösen Vorgehens der Bush-Regierung gegen ihn und seine Frau, nachdem er in einem Zeitungsartikel die Behauptung Bushs aus dessen Rede über die Lage der Nation widerlegt hatte, der Irak habe im afrikanischen Niger Uran kaufen wollen. Wilson war von Regierungsstellen damit beauftragt worden, entsprechende Gerüchte in Niger zu überprüfen und hatte nichts gefunden. Als er einige Zeit nach Bushs Rede mit besagtem Artikel die Fakten richtig stellte, trat er in ein Wespennest. Die Bush-Regierung schlug unter tatkräftiger Hilfe der konservativen Presse so heftig zurück, dass Wilson auf einmal im Zentrum einer landesweiten Diskussion stand. Seine Frau Valerie wurde aufgrund von gezielten Indiskretionen öffentlich als CIA-Agentin enttarnt, was sowohl ihre Sicherheit als auch diejenige aller ihrer Kontaktpersonen gefährdete. Gezwungen, sich gegen zunehmende Angriffe seitens der Regierung zu verteidigen, wurde Wilson so mehr und mehr zu einer landesweiten Berühmtheit. Seine Schilderung dieser Entwicklung gibt dem Leser einen teils atemberaubenden Eindruck von den knallharten Versuchen der Neokonservativen, Kritiker mundtot zu machen.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.64 | 4.22 | 4.41 | 2.1 | 2.63 | 2.67 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Joseph C. Wilson: Politik der Wahrheit. Frankfurt a. M.: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22104-politik-der-wahrheit_25201, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25201
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M. A., Politikwissenschaftler.
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