/ 17.06.2013
Wilhelm Hofmann
Politik des aufgeklärten Glücks. Jeremy Benthams philosophisch-politisches Denken
Berlin: Akademie Verlag 2002 (Politische Ideen 14); 330 S.; geb., 64,80 €; ISBN 3-05-003710-5Politikwiss. Habilitationschrift Augsburg; Gutachter: T. Stammen, H.-O. Mühleisen, R.-O. Schultze, G. Göhler, U. Weiß. - Obgleich Bentham als Begründer des neuzeitlichen Utilitarismus weithin bekannt ist, fehlt doch bislang eine umfassende Gesamtdarstellung seines politischen Denkens. Diese Lücke füllt nun dieser Band, der damit zugleich das "politische [...] Bewußtsein der Gegenwart mit all seinen Widersprüchen" (12 f.) beschreiben will: "Spätestens nach dem Scheitern des sozialistischen Glücksversprechens kann der utilitäre Liberalismus Benthams als eine der bedeutsamen Selbstverständigungsoptionen moderner westlicher Gesellschaften interpretiert werden." (18) Die Untersuchung gliedert sich in drei Teile: Der erste Teil widmet sich der Rezeptionsgeschichte; dabei geht es vor allem darum, die scharfe Kritik von Mill an Bentham zu relativieren, um einen möglichst unvoreingenommenen Blick auf Benthams Utilitarismus zu ermöglichen. Der zweite Teil behandelt die erkenntnistheoretischen und anthropologischen Grundlagen von Benthams politischem Denken, während der dritte - mit 150 Seiten umfangreichste - Teil der Arbeit den "systematischen Ort des Politischen in Benthams Utilitarismus" analysiert (20). Nach Hofmann war es Benthams Hauptanliegen, dass "die Sphäre des Individuums von moralischen Vorschriften entlastet (moralischer Minimalismus) werden kann, weil unter den Bedingungen der Moderne keine allgemeinverbindlichen Regeln eines guten Lebens mehr akzeptiert werden, die wesentlich über ein politisches Minimum hinausreichen" (14). Diese Überzeugung, die Hofmann im Anschluss an Blackie "Externalismus" nennt, weil der Ausgleich zwischen dem Glücksstreben der Individuen nicht durch deren (innere) moralische Überzeugung, sondern durch eine (äußere) institutionelle Ordnung der Gesellschaft herbeigeführt werden soll, liegt sowohl Benthams Rechtsverständnis, als auch seiner Theorie der repräsentativen Demokratie zugrunde. Bentham erkennt aber selbst, dass eine politische Ordnung, die das größte Glück der größten Zahl ermöglicht, nur von "Menschen mit einer starken Gemeinwohlorientierung" (312) hergestellt werden kann; wie dies mit dem Externalismus vereinbar ist, bleibt auch bei Hofmann letztlich offen. Im Ganzen bietet der Band eine gute, klar geschriebene Darstellung von Benthams politischer Theorie, die sich um eine möglichst schlüssige Rekonstruktion der Argumentation bemüht - was angesichts der Widersprüche in Benthams Denken eine alles andere als selbstverständliche Leistung ist.
Hendrik Hansen (HH)
Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 5.33
Empfohlene Zitierweise: Hendrik Hansen, Rezension zu: Wilhelm Hofmann: Politik des aufgeklärten Glücks. Berlin: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16891-politik-des-aufgeklaerten-gluecks_19403, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19403
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Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
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