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/ 21.06.2013
Willibald Steinmetz (Hrsg.)

"Politik" Situationen eines Wortgebrauchs im Europa der Neuzeit

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2007 (Historische Politikforschung 14); 500 S.; kart., 49,90 €; ISBN 978-3-593-38446-7
Der Begriff der Politik verfügt heute weder in den Sozialwissenschaften noch in der öffentlichen Debatte über jene klaren Konturen, die er zeitweilig innerhalb der Politikwissenschaft hatte, die ihn über die Funktion der Herstellung kollektiv verbindlicher Entscheidungen definierte. Hinsichtlich der Bedeutung von Politik lassen sich seit Längerem teils widersprüchliche, teils einander ergänzende Tendenzen beobachten. Auf der einen Seite werden im Zuge einer „Entzauberung von Politik“ Phänomene hervorgehoben, die auf eine zunehmende Begrenzung politischer Steuerungsansprüche verweisen. Auf der anderen Seite gilt die Aufmerksamkeit einer Entkoppelung von Politik und staatlichen Institutionen, vielfach verbunden mit der Erwartung einer Neuerfindung des Politischen in Gestalt breiter Mitwirkung zivilgesellschaftlicher Akteure. Diese semantische Unsicherheit des Begriffs ist jedoch kein spezifisches Merkmal der Moderne. Die Autoren des im Rahmen des Bielefelder Sonderforschungsbereichs 584 „Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte“ entstandenen Sammelbandes wollen zeigen, dass es zu keiner Zeit in der neueren Geschichte einen verbindlichen Begriff des Politischen gegeben hat. Konzeptionell orientieren sich die Beiträge an einer historischen Semantik des Politischen, die anhand von Fallstudien – teils administrativer, wissenschaftlicher oder literarischer Handlungsbereiche, teils in vergleichender Perspektive bezogen auf europäische Nationalsprachen – vergangene Auseinandersetzungen um Bedeutungen und Funktionen des Politikvokabulars beobachtet. Methodisch unterscheiden sich die Analysen von der herkömmlichen Begriffsgeschichte zum einen durch die Fokussierung der Situationen des jeweiligen Wortgebrauchs, zum anderen durch die ausdrückliche Berücksichtigung auch von politikfernen Quellen. Als politisch gelten die analysierten Kommunikationen dann – so der von den Autoren verwendete systematische Politikbegriff –, wenn sie sich auf kollektive Handlungseinheiten, Regeln des Zusammenlebens oder Machtverhältnisse beziehen und dabei eine gewisse Breitenwirkungen beanspruchen können.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 1.35.14.222.612.622.12.324 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Willibald Steinmetz (Hrsg.): "Politik" Frankfurt a. M./New York: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28274-politik_33276, veröffentlicht am 26.03.2008. Buch-Nr.: 33276 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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