/ 21.06.2013
Andreas Nagel
Politische Entrepreneure als Reformmotor im Gesundheitswesen? Eine Fallstudie zur Einführung eines neuen Steuerungsinstruments im Politikfeld Psychotherapie
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009 (VS Research); 305 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-531-16734-3Politikwiss. Diss. Mannheim. – Vor dem Hintergrund der allgemeinen Diskussion über den Reformstau in der Bundesrepublik und insbesondere im Gesundheitswesen untersucht der Autor an einem konkreten Fallbeispiel die Erfolgsbedingungen und Durchsetzungschancen für Reformmaßnahmen. Untersuchungsgegenstand ist das sogenannte TK-Modell, ein Modellvorhaben zur Qualitätssicherung in der ambulanten Psychotherapie. Erst nach jahrelangen kontroversen Debatten und gegen den energischen Widerstand verschiedener Interessengruppen konnte die Techniker-Krankenkasse 2005 mit ihrem Modellvorhaben beginnen und dieses neue Steuerungsinstrument in drei Regionen Deutschlands erproben. Es handelt sich dabei um einen „weitreichenden Entwurf“, der die „Überprüfbarkeit-, Nachvollziehbar- und Steuerbarkeit psychotherapeutischer Leistungen“ umfasst und ein „Gegenbeispiel zum allgemeinen Reformpessimismus“ (20 f.) darstellt. Nagel untersucht, wie das Pilotprojekt angesichts des vorhergegangenen zähen Verhandlungsprozesses überhaupt umgesetzt werden konnte. Er stützt seine Arbeit auf den „in Deutschland noch relativ selten“ (24) angewendeten „Multiple-Streams“-Ansatz (MSA), wonach Politikprozesse sich in drei verschiedenen, kontingenten Strömen (Problem-, Policy- und Politics-Strom) ereignen. Danach „kann Steuerung nur dann erfolgreich sein, wenn es gelingt, ein sich öffnendes Politikfenster zum richtigen Zeitpunkt adäquat zur Kopplung der drei Ströme zu nutzen. Politische Unternehmer müssen die Fähigkeit mitbringen, die Logiken der Ströme zu verstehen, sich derer zu bedienen und dabei nach dem eigenen Vorteil zu streben“ (92). Entlang dieser Strukturelemente des MSA zeichnet Nagel die Entscheidungsprozesse sowie die Akteurs- und Handlungskonstellationen bei der Implementierung des TK-Modells detailliert nach. Es zeigt sich, dass der Politikprozess mit dem gewählten Ansatz gut erklärbar ist. Nagel weist dem politischen Entrepreneur eine Schlüsselrolle zu, der sich in diesem Fall als „Reformmotor“ (264) erwiesen habe.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.343
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Andreas Nagel: Politische Entrepreneure als Reformmotor im Gesundheitswesen? Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30972-politische-entrepreneure-als-reformmotor-im-gesundheitswesen_36810, veröffentlicht am 13.10.2009.
Buch-Nr.: 36810
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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