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/ 17.06.2013
Karen Piepenbrink

Politische Ordnungskonzeptionen in der attischen Demokratie des vierten Jahrhunderts v. Chr. Eine vergleichende Untersuchung zum philosophischen und rhetorischen Diskurs

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2001 (Historia: Einzelschriften 154); 262 S.; kart., 40,- €; ISBN 3-515-07848-7
Geschichtswiss. Diss. Freiburg i. Br., Gutachter: J. Martin, H.-J. Gehrke, K. Jakobi. - Ausgehend von einem mentalitätsgeschichtlichen Ansatz analysiert die Autorin die Reflexion der politischen Ordnung der Polis in der politischen Philosophie und Rhetorik des vierten Jahrhunderts v. Chr. Die bisherige althistorische Erforschung der athenischen Demokratie sei zu sehr von der Befassung mit Einzelfragen geprägt; für ein grundsätzliches Verständnis dieses Gegenstandes sei es notwendig, "den kulturellen Kontext als ganzen zu beleuchten" und insbesondere die "Selbstthematisierung der athenischen Demokratie im 4. Jahrhundert, ihre Identitätsbildung und soziale Sinnstiftung" (11) zu untersuchen. Die stringent gegliederte und gut geschriebene Arbeit unterteilt sich in drei Kapitel: Das erste Kapitel behandelt als Beispiel für den philosophischen Diskurs die politische Philosophie von Aristoteles; das zweite analysiert die überlieferten Reden der athenischen Rhetoren des 4. Jahrhunderts, das dritte vergleicht die beiden Diskurse. In den ersten beiden Kapiteln wird jeweils zunächst die Wahrnehmung der politischen Wirklichkeit durch Aristoteles bzw. die Rhetoren dargestellt, bevor ihre jeweiligen politischen Ordnungsvorstellungen untersucht werden. Im Ergebnis betont die Autorin die Gemeinsamkeit von Aristoteles und den Rhetoren: Beide sehen den primären Missstand der athenischen Demokratie in der Orientierung der Bürger und Politiker an ihren Partikularinteressen. Ein Unterschied liegt lediglich in der Beurteilung der Folgen dieses Eigennutzstrebens: nach Aristoteles verursacht es die Instabilität der Polis im Innern, aus Sicht der Rhetoren schwächt es die außenpolitische Bedeutung Athens. Übersehen wird dabei aber eine grundsätzlichere Differenz: Für Aristoteles ist ausgehend von seinem teleologischen Politikverständnis jedwedes Eigennutzstreben zu begrenzen, während nach Ansicht der Rhetoren nur die private Selbstdurchsetzung von Übel ist, die die Fähigkeit des Staates zur Selbstdurchsetzung in der Konkurrenz mit anderen Staaten behindert.
Hendrik Hansen (HH)
Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 5.31 Empfohlene Zitierweise: Hendrik Hansen, Rezension zu: Karen Piepenbrink: Politische Ordnungskonzeptionen in der attischen Demokratie des vierten Jahrhunderts v. Chr. Stuttgart: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16388-politische-ordnungskonzeptionen-in-der-attischen-demokratie-des-vierten-jahrhunderts-v-chr_18818, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18818 Rezension drucken
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