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/ 21.06.2013
Christoph Horn / Ada Neschke-Hentschke (Hrsg.)

Politischer Aristotelismus. Die Rezeption der aristotelischen Politik von der Antike bis zum 19. Jahrhundert

Stuttgart/Weimar: Verlag J. B. Metzler 2008; 335 S.; geb., 39,95 €; ISBN 978-3-476-02078-9
Das Buch geht auf eine Tagung in Menaggio (Italien) im Juli 2005 zurück. Die Autorinnen und Autoren sind zum größten Teil Fachphilosophen, zum kleineren Teil Politikwissenschaftler und Historiker. Der Einleitungsaufsatz von Horn führt konzise in die Eigenheiten des politischen Aristotelismus ein. Im Einzelnen werden 15 Kriterien zur Identifizierung dieser Schule der politischen Philosophie vorgestellt, von der ihr zugrunde liegenden Theorie des guten Lebens, der These von der Natürlichkeit der Polis, der „zoon-politikon-Anthropologie“ (2) und der Theorie der Mischverfassung über die politische Tugendlehre bis zur Analyse des Verfassungswandels. Aus der Perspektive der Politikwissenschaft ist der Aufsatz von Hennig Ottmann über die protestantische Schulphilosophie in Deutschland am Beispiel von Hennig Arnisaeus (1575-1636) und Hermann Conring (1606-1681) von besonderem Interesse. Geleitet werden die Überlegungen zur Formierung der deutschen Politikwissenschaft im frühen 17. Jahrhundert von einer These Hans Maiers, der zufolge im protestantischen Deutschland nicht die Staatsräson- oder Naturrechtslehre, sondern der Aristotelismus die führende politische Theorie gewesen sei. An dieser These werden im Ergebnis deutliche Einschränkungen vorgenommen. Zwar sei die Berufung auf Aristoteles üblich gewesen, im Kern seien jedoch weder die für die besonderen föderalen Umstände des Reiches abgemilderte Souveränitätslehre noch eine bloß rhetorisch versittlichte Staatsräsonlehre mit den politischen Idealen des antiken Philosophen vereinbar. Erhellend sind auch die Ausführungen Ludwig Sieps über den Aristotelismus Hegels. Siep verdeutlicht anschaulich, wie Hegels Rechtsphilosophie auf einer aristotelischen politischen Anthropologie beruht, wie sie in ihrem Aufbau und in ihrer Struktur als eine Synthese von Aristotelismus, Neuplatonismus und Kantianismus zu verstehen ist und wie die Konzeption der Sittlichkeit bei Hegel, vor allem auf der höchsten Stufe der Sittlichkeit – dem Staat – an der politischen Philosophie des Aristoteles orientiert ist.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.35.315.325.33 Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Christoph Horn / Ada Neschke-Hentschke (Hrsg.): Politischer Aristotelismus. Stuttgart/Weimar: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29104-politischer-aristotelismus_34386, veröffentlicht am 04.06.2008. Buch-Nr.: 34386 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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